• So könnten die neuen Bahnen aussehen. (Grafik: Bombardier Transportation GmbH)

    So könnten die neuen Bahnen aussehen. (Grafik: Bombardier Transportation GmbH)

  • (Grafik: © Bombardier Transportation GmbH)

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30 neue Straßenbahnen mit Klima und W-Lan von Bombardier für Dresden

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Dresden erhält in den nächsten Jahren 30 neue Straßenbahn von Bombardier. Der entsprechende Vertrag ist am Donnerstagnachmittag feierlich von Sachsens Wirtschaftsminister Dulig und Oberbürgermeister Hilbert unterzeichnet worden.

Die Bahnen werden in Bautzen und Görlitz gefertigt. Insgesamt knapp 200 Millionen Euro werden investiert. Der Freistaat stellt die Hälfte der Investitionssumme mit EU-Geldern zur Verfügung.

Die neuen Bahnen sind breiter, haben mehr Sitzplätze, Klimatisierung, W-LAN und Ladesteckdosen für Handys.


 


Die vollständige Mitteilung von DVB und Stadt Dresden mit allen Details:

Im Beisein des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) und des Dresdner Oberbürger-meisters Dirk Hilbert (FDP) unterzeichnen die Vorstände der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) An-dreas Hemmersbach und Lars Seiffert heute den Vertrag zur Lieferung von 30 Stadtbahnen einer neuen durch die Firma Bombardier Transportation GmbH. Gefertigt werden diese an den Standor-ten Görlitz und Bautzen, die Anlieferung erfolgt stets aus Bautzen. Der erste Gelenkwagen wird im Sommer 2021 in Dresden erwartet. Bis zum Herbst 2023 sollen alle Fahrzeuge ausgeliefert sein. Zur Lieferung gehört ein Wartungsvertrag, der die hohen Qualitätsstandards der DVB für ihre Fahrgäste langfristig sichert. Die Wagen werden zunächst auf der Linie 2 eingesetzt, später sollen sie auch auf den Linien 3 und 7 fahren.
Die Kosten pro Fahrzeug belaufen sich auf etwa 4,2 Millionen Euro. Das gesamte Investitionsvolu-men einschließlich Herstellung, Service und langfristige Wartung beträgt rund 197 Millionen Euro. Für den Kauf der Stadtbahnen reicht der Freistaat Sachsen 102,8 Millionen Euro Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) an die DVB aus.
„Die größere Kapazität der neuen Stadtbahnwagen benötigen wir dringend, um der erfreulich schnell wachsenden Zahl unserer Fahrgäste auch in Zukunft ausreichend Platz anbieten zu können“, sagt der DVB-Vorstand für Finanzen und Technik Andreas Hemmersbach. Sein für Betrieb und Per-sonal zuständiger Vorstandskollege Lars Seiffert erklärt: „Bei der Ausstattung kommen wir vielen Wünschen unserer Kunden nach. Barrierefreiheit ist natürlich Standard. Große Fenster sorgen für eine helle Atmosphäre, eine dynamische LED-Beleuchtung schont die Augen, es gibt zusätzliche Monitore zur Information, eine Klimatisierung sowie WLAN und Ladesteckdosen für Mobilgeräte.“
„Dresden ist schon heute eine ÖPNV-Vorzeigestadt und regelmäßig deutschlandweiter Spitzenreiter bei der Kundenzufriedenheit. Damit dies so bleibt, unterstützt der Freistaat die DVB kontinuierlich mit einer breit gefächerten Investitionsförderung. Neben Landes- und Bundesmitteln kommen hier-für auch EU-Mittel zum Einsatz. Die 30 neuen Stadtbahnwagen werden mit Fördermitteln in Höhe von 102,8 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Die EU honoriert in diesem Zusammenhang besonders die mit der Gesamtmaßnahme verbundene hohe CO2-Einsparung. Die Stadtbahnbeschaffung ist somit nicht nur gut für die zahlreichen DVB-Fahr-gäste - sie dient auch dem Umwelt- und Klimaschutz“, erklärt Verkehrsminister Martin Dulig.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert freut sich über einen Meilenstein auf dem Weg eines Umweltver-bunds: „Die neuen attraktiven Stadtbahnwagen werden noch mehr Fahrgäste befördern können. Damit steigt die Attraktivität des umweltfreundlichen ÖPNV weiter. Als Landeshauptstadt Dresden vertreten wir die Strategie einer Multimobilität, die es den Nutzern einfach und bequem macht, auf ihrem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit ihr Fortbewegungsmittel zu wechseln. Ein Netz von Mobi-Punkten bildet die Infrastruktur.“

“Wir sind stolz darauf, unseren langjährigen Partner und Kunden DVB mit den bewährten FLEXITY-Straßenbahnen beim Ausbau ihres Verkehrsangebots unterstützen zu dürfen. Die Fahrgäste können sich auf klimatisierte Bahnen mit WLAN, mehr Komfort, großzügige Mehrzweckbereiche und höchste Sicherheitsstandards freuen,“ sagt Alexander Ketterl, Verantwortlicher für das Nahver-kehrsgeschäft bei Bombardier in Deutschland.
Mehr Platz im Innenraum
Die bestellten Neufahrzeuge tragen die Typbezeichnung NGT DX DD und stammen aus der FLEXITY-Baureihe des Herstellers Bombardier. Dabei steht NGT für Niederflurgelenktriebwagen, DX für Drehgestellfahrzeug mit zehn Achsen und DD für Dresden. Der NGT DX DD ist mit fast 45 Metern etwa so lang wie der bereits in Dresden fahrende Typ NGT D12 DD. Mit dieser Länge passt der neue Wagen an jede Haltestelle und kann auch alle Anschlüsse wahrnehmen. Er ist mit 2,65 Metern rund 35 Zentimeter breiter als die bisherigen Dresdner Fahrzeuge. Der Wagenkasten lädt erst oberhalb der Bahnsteigkante aus, so das keine Station umgebaut werden muss. Im neuen Stadtbahnwagen finden bis zu 290 Passagiere Platz. Zumeist als Ersatz für die 30-Meter-Wagen der ersten Stadtbahn-generation vorgesehen, ergibt sich mit jedem NGT DX DD eine zusätzliche Kapazität im Liniennetz für über 100 Fahrgäste. Auf den Seiten der neuen Wagen sind jeweils zwei Sitzplätze mit größerem Sitzabstand angeordnet, getrennt durch einen um fast 20 Zentimeter breiteren Mittelgang als bei den Vorgängern. Mehr und größere Türen sorgen für stressfreies Ein- und Aussteigen. In den Multi-funktionsbereichen gibt es vier statt wie bisher zwei Stellplätze für Rollstühle oder Kinderwagen.
Auf den Kunden gehört
Für die Wahl der Ausstattung haben die Verkehrsbetriebe ihren Kunden genau zugehört. Viele Wünsche wurden in der Spezifikation der neuen Wagen berücksichtigt. Neben großen Panorama-fenstern sorgt eine LED-Ambientebeleuchtung, die sich mit Leuchtstärke und Farbton der Tageszeit und dem Außenlicht anpasst, für eine helle Atmosphäre im Wagen. Es gibt mehr Informationsmoni-tore als bisher. Sie werden aus allen Positionen gut lesbar sein. Ebenfalls neu ist der Einsatz einer ausgeklügelten Belüftungstechnik, die im Sommer auch als Klimaanlage für angenehme Temperatu-ren sorgt. Kostenloses WLAN und Ladsteckdosen für Mobilgeräte ergänzen das neue Angebot an die DVB-Fahrgäste. Die Fahrzeuge entsprechen zudem den neuesten Sicherheitsstandards. Bei-spielsweise gibt es besondere Warnleuchten, die das Schließen der Bahntüren ankündigen oder Türkameras, die den alten Rückspiegel des Fahrers ersetzen.
Zweijähriger Vergabeprozess
Eine neue Stadtbahn ist kein Kauf „von der Stange“. Jede Stadt und jedes Verkehrsunternehmen macht ganz spezifische Vorgaben, was ein Wagen alles können muss. Auch in Dresden. So begann die Suche nach dem passenden Hersteller bereits im März 2017 mit der Veröffentlichung der Anfor-derungen im Europäischen Amtsblatt. Insgesamt neun Anbieter aus Europa und Asien durchliefen ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Kriterien wie Technik, Preis, Service oder Design wurden mit einem Punktesystem bewertet. In der Runde der letzten drei setzte sich schließlich die Firma Bom-bardier Transportation mit dem besten Gesamtpaket im Wettbewerb durch.
Aufgrund der in Dresden vorgegebenen Brückentraglasten stellte sich die gewünschte größere Ka-pazität im Verhältnis zum Fahrzeuggewicht für DVB-Ingenieure und Anbieter als schwierigste Auf-gabe heraus. Im Ergebnis bekommt die DVB ein hochinnovatives Fahrzeug, das deutlich mehr Kom-fort und Platz für zusätzliche Fahrgäste bei nahezu gleichem Gesamtgewicht gegenüber den Vor-gängermodellen aufweist. Bestellt werden zunächst 30 Stadtbahnen. Von den beauftragten Zügen sind 21 so genannte Einrichtungsfahrzeuge. Neun werden als Zweirichtungswagen gebaut, die eine Fahrerkabine auf jeder Seite haben. Damit kann bei Baustellen bis direkt an das Baufeld herange-fahren werden, ohne dass dafür eine Gleisschleife oder ein Gleisdreieck zum Wenden benötigt wird.
Bevor der erste NGT DX DD im Juni 2021 nach Dresden kommt, sollen sich die künftigen Nutzer ab Januar 2020 ein erstes eigenes Bild von der neuen Bahn machen. Dazu wird ein „Mock up“, ein Mo-dell des ersten Wagenteils in Originalgröße, im Verkehrsmuseum Dresden ausgestellt. Bis dahin steht auch das endgültige Design der Fahrzeuge fest.
Historische Verbindung
Im ostsächsischen Bautzen werden nicht zum ersten Mal Bahnen für Dresden gebaut. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts bestellte die Landeshauptstadt erste Straßenbahnen in der damaligen Wag-gonfabrik Bautzen. Anfang der 1930er Jahre wurde dann der „Große Hecht“, der wegen seiner fort-schrittlichen Technik seinerzeit als eine der weltweit modernsten Straßenbahnen galt, in Bautzen montiert. Zur Zeit der DDR übernahmen andere Hersteller den Bau von Straßenbahnen für Dres-den. Als nach der Wende die alten tschechischen Tatra-Wagen zugunsten moderner Niederflurwa-gen abgelöst werden sollten, konnten sich die Stadtbahnbauer aus Bautzen, damals als Mitglied des „Konsortium Sachsentram“, wieder in Dresden durchsetzen. Ab 1996 wurden die ersten Wagen ge-liefert. Auch der nachfolgende Fahrzeugtyp mit Drehgestellen, der seit 2003 auf den DVB-Linien im Einsatz ist, stammt aus dem Werk in Ostsachsen. Insgesamt fahren heute 166 Stadtbahnen aus Bau-tzen in der sächsischen Landeshauptstadt. Bald kommen 30 neue hinzu.