3G am Arbeitsplatz - Kritik an Test-Engpässen

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Seit Mittwoch kommen Beschäftigte nur noch mit 3G-Nachweis an ihren Arbeitsplatz. Wirtschaftskammern rechnen angesichts der nur kurzen Vorbereitungszeit mit einem holprigen Start und mahnen die Kontrollbehörden zu Nachsicht. Die Unternehmen hätten nur wenig Zeit gehabt, dies vorzubereiten, und die Unsicherheit sei bei vielen Firmen groß, sagte Ulf Spanke, Justiziar der Industrie- und Handelskammer Chemnitz. Vor allem für kleine und mittelständische Betriebe sehe er Probleme. Wegen der großen Nachfrage nach Tests würden Lieferschwierigkeiten gemeldet. Darauf wies auch der Präsident des Handwerkstages Sachsen, Jörg Dittrich, hin: „Es gibt eine Knappheit an Tests.“

Zugleich verwies er auf die schwierige Situation etlicher Handwerker. Kleine Betriebe wie Friseure, die durch die strengen Corona-Regeln ohnehin weniger Kunden hätten, würden durch die 3G-Vorgaben am Arbeitsplatz mit weiterem personellen und finanziellen Aufwand belastet. Er warb dennoch dafür, auch geimpfte und genesene Mitarbeiter zu testen, um die Pandemie einzudämmen. In etlichen Betrieben werde dies getan.

Die 3G-Regel am Arbeitsplatz ist für Handwerker nur schwer umsetzbar. Das sagte der Chef der Leipziger Handwerkskammer, Volker Lux, am Mittwoch. Wenn die Mitarbeiter zum Testen erst in der Firma erscheinen müssten, vergehe wertvolle Arbeitszeit. Die Einwände der Kammer seien nicht ernst genommen worden. „Dabei wäre es angezeigt, dass die Regierung uns nicht nur zuhört, sondern auch die Dinge umsetzt, von denen wir glauben, dass wir sie besser wissen als andere, so der Kammerpräsident.

Beschäftigte müssen beim Betreten ihrer Arbeitsstätte nachweisen, dass sie gegen Corona geimpft oder von einer solchen Erkrankung genesen sind. Alternativ kann eine Bescheinigung über einen negativen Test vorgelegt werden. Die Arbeitgeber müssen dies kontrollieren. Ohne 3G-Nachweis besteht laut Bundesarbeitsministerium in der Regel kein Anspruch auf Bezahlung. Zudem drohen arbeitsrechtliche Schritte - von der Abmahnung bis zu einer Kündigung im Extremfall.

Die Nachweispflicht liegt beim Arbeitnehmer; Unternehmen sind nicht verpflichtet, Testangebote vorzuhalten. „Eine Testung auf dem Werksgelände oder unter Aufsicht des Vorgesetzten ist nicht vorgesehen“, informierte etwa Volkswagen Sachsen seine Mitarbeiter. Vielmehr sollten Betroffene öffentliche Testzentren nutzen. Die Zeit für die Testung sei keine Arbeitszeit, betonte das Unternehmen. (mit dpa)