Aktuelle Stunde zu Krawallen in Bautzen: „Weitverbreiteter Alltagsrassismus“ - Kritik an Oberbürgermeister
In Bautzen gibt es nach Ansicht von Oberbürgermeister Alexander Ahrens einen weitverbreiteten Alltagsrassismus. Man dürfe die Leute aber nicht in Grund und Boden verurteilen, sondern müsse das Gespräch mit ihnen suchen. Das sagte der OB am Abend in einer Aktuellen Stunde zu den Krawallen zwischen jungen Asylbewerbern und Einheimischen auf dem Kornmarkt vor zwei Wochen.
Ahrens räumte ein, dass er nicht habe erkennen können, dass die Lage so eskalieren würde. Stadträte kritisierten, dass der OB nicht gleich nach den Krawallen eine Sondersitzung einberief. Der Stadtrat sei lange sprachlos geblieben. Viele Bautzener seien extrem besorgt. Sie hätten einen Anspruch auf Lösungen. Ein CDU-Stadtrat warf dem OB Ignoranz vor. Ahrens berief sich auf das Kommunalgesetz – das lasse einen Sonderstadtrat nicht sofort zu. „Wir müssen uns nun gemeinsam positionieren und Antworten finden“, so der Aufruf an die Stadträte. Eine Lichterkette reiche da nicht aus.
Der Görlitzer Polizeipräsident Conny Stiehl erklärte, dass es zwischen jungen Asylbewerbern und Einheimischen schon Tage vor den Krawallen „geköchelt“ habe. Dabei war ein 32-jähriger Bautzener von einem Asylbewerber mit einer Flasche schwer verletzt worden. Am 14. September sei dann das Fass übergelaufen.
Die verstärkte Polizeipräsenz bleibt noch längere Zeit in Bautzen aufrechterhalten. Die Zahl der Ermittlungsverfahren ist inzwischen auf 90 gestiegen. Dabei geht es u.a. um den Verdacht des Landfriedensbruchs, der Körperverletzung und Beleidigung. Die Ermittlungsgruppe wird unterstützt von Beamten des Operativen Abwehrzentrums der sächsischen Polizei.