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Alles auf Null im Görlitzer „Würger“-Prozess

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Alles auf Null im Prozess gegen den mutmaßlichen Würger von Hagenwerder. Das Amtsgericht Görlitz hat gestern nach der Verlesung der Anklageschrift und einem nicht zustande gekommenen Deal  die Verhandlung ausgesetzt.   Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ukrainer vor, 13 Flüchtlinge eingeschleust zu haben. Bei der versuchten Festnahme soll der 44-Jährige aus der Region Lemberg (Liwiw) einen Bundespolizisten gewürgt haben, bis ihm „schwarz vor den Augen“ wurde. 

Verteidigerin geht in die Offensive

Die smarte Anwältin wollte das Verfahren schnell über die Bühne bringen:  Aussage, dafür Bewährung für ihren Mandanten. Veto vom Staatsanwalt. Auch der Richter konnte sich damit nicht anfreunden. Er wollte weiterverhandeln, die beiden Polizisten vernehmen und die Sache zu Ende bringen. Daraufhin kündigte die Verteidigerin an, dass sie weitere Zeugen hören will. Angeblich hätten die Geschleusten den Angeklagten nicht wiedererkannt. Außerdem verlangte sie, dass ihr Mandant begutachtet wird. Wieder Unterbrechung. Genervt verkündete schließlich der Richter, dass der Prozess ausgesetzt wird. Er wird im Dezember neu aufgerollt.  

Angeklagt sind gewerbsmäßige Schleusung unter lebensgefährdenden Umständen, Angriff auf Polizisten und gefährliche Körperverletzung. Beobachter wundern sich, dass der Fall am Amtsgericht verhandelt wird und nicht am Landgericht. Sollten die Vorwürfe so zutreffend sein, stellt sich die Frage, ob es sich nicht um versuchten Totschlag handelt.

Der Fall - die Ermittlungen dazu

Der Ukrainer wurde Anfang November vergangenen Jahres im Hafengelände am Berzdorfer See von einer Bundespolizeistreife angehalten. Er saß am Steuer eines roten Mercedes-Vito. 13 Migranten verließen das Fahrzeug - laut Anklage elf Iraner und zwei Afghanen. Der Fahrer wehrte sich gegen seine Festnahme. Er habe den Polizisten zu Boden gestoßen, mit der Faust in sein Gesicht geschlagen und ihn gewürgt, so der Staatsanwalt. „Er röchelte.“ Der andere Polizist riss den bullig wirkenden, an beiden Unterarmen tätowierten 44-Jährigen weg. Daraufhin setzte sich der Ukrainer wieder ins Auto und fuhr los. Ein Polizist gab zwei Warnschüsse ab und weitere gezielte Schüsse auf die Reifen. Dabei traf er einen Vorderreifen.

Festnahme in Polen

Der Ukrainer, der zuletzt in Warschau wohnte, setzte sich nach Polen ab.  Über seinen 67 Jahre alten Vater, der kurz zuvor mit einem Begleiter (24) in der Nähe von Hagenwerder gestellt wurde, kamen die Ermittler auf die Spur zum geflüchteten Sohn. Polnische Polizisten nahmen den Schleuser bei  Liegnitz fest. Die Staatsanwaltschaft stellte Auslieferungsantrag.

Den Prozessauftakt verfolgten auch seine Schwester und Tochter. Von seiner Frau ist er geschieden. Und noch etwas gab der Angeklagte zu Protokoll: Er sei Architekt.