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Angeklagte im Görlitzer Kindstötungsprozess schweigt

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Vor dem Landge­richt Görlitz hat heute Vormittag der Prozess gegen eine 27-jährige Hoyers­wer­daerin begonnen. Sie soll ihre beiden Söhne unmit­telbar nach der Geburt getötet haben. Die Angeklagte äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Regungslos verfolgte die zierliche Frau mit dem Mädchen­ge­sicht die Verle­sung der Anklage. Sie betrat den Verhand­lungs­saal mit einem roten Pullover, den sie über den Kopf gezogen und ihr Gesicht verdeckt hatte.Die Staats­an­walt­schaft wirft ihr vor, im Juni vergan­genen Jahres im Kinder­zimmer der elter­li­chen Wohnung einen Jungen zur Welt gebracht und das in eine Trage­ta­sche einge­wi­ckelte Neuge­bo­rene in einem Schrank im Keller versteckt zu haben. Dort soll das Kind  durch Sauer­stoff­mangel und fehlende Nahrung verstorben sein.

Die genaue Todes­ur­sache könne aber nicht mehr geklärt werden, sagte  Rechts­me­di­zi­nerin Jasmin Seibt. Sie schil­derte detail­liert den Zustand des toten Neuge­bo­renen. Es seien keine Missbil­dungen festge­stellt worden – weder äußer­lich noch inner­lich. Das Kind sei lebens­fähig gewesen. Ob es nach der Geburt tatsäch­lich lebte, konnte sie nicht mit Sicher­heit sagen.  Die Gutach­tern fügte hinzu, dass der Vater von der Schwan­ger­schaft angeb­lich gewusst habe, das Kind aber nicht haben wollte.

Ins  Rollen gekommen war der Fall durch einen anonymen Hinweis an das Jugendamt. Eine Anruferin erklärte, dass die Frau in Kürze entbinden werde, aber noch keine Erstaus­stat­tung für das Baby besitze. Daraufhin begann eine Sozial­ar­bei­terin mit Nachfor­schungen. Sie traf die Frau Tage später beim Tapezieren in der Wohnung ihres Freundes an. Die junge Frau habe erklärt, das Kind lebend entbunden und in der Babyklappe in Dresden abgegeben habe, was jedoch nicht stimmte. Auch eine weitere Version, wonach sie den Jungen zu Bekannten nach Laußnitz gebracht haben will, erwies sich ebenso als haltlos. Daraufhin infor­mierte das Jugendamt die Polizei. Einen Tag wurde das tote Neuge­bo­rene im Keller­ver­steck gefunden.

Bereits im August 2011 soll die Angeklagte ein Kind entbunden und laut Staats­an­walt­schaft ebenfalls getötet haben. Die Leiche wurde jedoch nicht gefunden.

Der Prozess wird  mit der Beweis­auf­nahme fortge­setzt. Die Schwur­ge­richts­kammer will an drei Verhand­lungs­tagen bis Mitte Februar insge­samt 13 Zeugen sowie Gutachter hören.

 

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Reporter Knut-Michael Kunoth