Angstmacher Kettenbrief – was dahinter steckt

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Über soziale Medien verbreiten sich immer mehr Mutproben (Challenges). Dazu zählen Videos, aber auch Bilder und Kettenbriefe. Allen Kettenbriefen ist gemein, dass darin gefordert wird, die Mail an möglichst viele Personen weiter zu schicken, weil sonst etwas passiert. Oft verbreiten sich solche Kettenbriefe über Messenger Dienste wie WhatsApp. Die Initiatoren solcher Kettenbriefe suchen gezielt junge Menschen aus, die dank Smartphones und sozialen Netzwerken schon früh und auch unbemerkt von den Eltern erreichbar sind.

Klicksafe, die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, zeigt WhatsApp-Kettenbriefe im Überblick.

Oft werden nur harmlose Scherze massenhaft geteilt. Manchmal beinhalten Kettenbriefe aber auch falsche Gewinnspiele, Gruselgeschichten, Beleidigungen oder Todesdrohungen. Je jünger die Kinder sind, desto weniger können sie einschätzen, ob sie wahr sind.

Wie beim Schneeball-Prinzip sollen immer mehr Personen die Nachrichten erhalten und mitmachen.


Aktuell verbreitet sich die Momo-Challange über WhatsApp und teilweise auch über YouTube. Hier bleibt es nicht bei einer Nachricht. Über mehrere Wochen wird der Teilnehmer aufgefordert, Aufgaben zu erledigen. Zusätzlich schickt das unbekannte Mädchen "Momo" Bilder mit Bedrohungen und Beleidigungen. So wird ein psychischer Druck auf den Teilnehmer aufgebaut.

Hinter "Momo" steckt ein Foto der Statue "Mother Bird" vom Künstler Keisuke Aiso. Die gruselig anmutende Fratze des Mädchens mit den schwarzen strähnigen Haaren und den großen Augen ist also nicht real.

 

Schon Vorschulkinder gehen heutzutage ganz selbstverständlich mit Medien um. Sie machen erste Erfahrungen mit Büchern, Fernsehgeräten, Radios oder auch Tablets und Smartphones. Doch um zu wissen, wie mit solchen Medien richtig umgegangen wird, gehört mehr, als nur zu wissen, welche Knöpfe man wann drücken muss.

Fachleute nennen das Wissen über den Umgang mit Medien „Medienkompetenz“. Kinder probieren vieles aus und lernen schnell dazu, wissen aber noch nicht, was Vorgänge und Inhalte bedeuten. Daher ist es wichtig, sein Kind zu begleiten und ihm den Umgang mit Medien zu lehren.
Um Kinder vor gruseligen Kettenbriefen und Gefahren zu schützen empfiehlt es sich gemeinsam die Medienkompetenz zu stärken.


Tipp 1: Vorbild sein
Wer zum Beispiel Online-Datenklau kritisiert und selbst eine Vielzahl persönlicher Daten ins Netz stellt, wirkt unglaubwürdig. Kinder orientieren sich in erster Linie am Verhalten von Erwachsenen.


Tipp 2: Offen miteinander sprechen
Anstatt Verbote im Umgang mit dem Internet aufzustellen, ist es sinnvoll, sich mit seinem Kind über die Gefahren des Internets auszutauschen und gemeinsam Regeln festzulegen, an die sich Eltern und Kinder halten. Auch Vertrauen ist ein wichtiger Aspekt. So sollten Kinder mit ihren Fragen und Problemen immer einen Ansprechpartner haben. Besonders dann, wenn es Mist gebaut hat.


Tipp 3: Interesse an neuen Medien zeigen
Wer über Medien und deren Risiken informiert ist, kann den Einfluss auf Kinder besser einschätzen. Zusammen mit Kindern lässt sich schnell herausfinden, welche Apps und Inhalte gerade aktuell und interessant sind. Kinder können dann erklären, was sie mit den Programmen machen. Das gibt einen Überblick und schafft Raum zum Eingreifen, wenn nötig.


Tipp 4: Kinder anfangs begleiten
Es empfehlt sich, Kinder bei ihren ersten Schritten im Internet zu begleiten. So kann erklärt werden, warum es gut ist, in Profilen nicht zu viel Privates zu verraten und welche Einstellungen die Privatsphäre schützen. Auch zu besprechen, wie man sich bei Online-Mobbing in Chatverläufen verhält, ist hilfreich.


Tipp 5: Austausch mit anderen Erwachsenen
Andere Eltern oder Lehrer können ihre Erfahrungen weitergeben. Generell sind Eltern-Blogger eine tolle Anlaufstelle für Praxistipps, da sie sich mit dem Thema Internet und digitale Medien stark auseinandersetzen.


Auf einer Tagung zum Safer Internet Day am 5. Februar, präsentierte der Bielefelder Kinder- und Jugendarzt Uwe Büsching die 3-6-9-12-Regel. Diese schlägt folgende Richtwerte vor:  


•    Keine Bildschirmmedien < 3 Jahren
•    Keine eigene Spielekonsole < 6 Jahren
•    Kein Handy oder Smartphone < 9 Jahren
•    Keine unbeaufsichtigte Computer-/Internetnutzung < 12 Jahren


Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert über kindgerechte Suchmaschinen und Angebote im Internet.