Schwiegermutter und andere Sparer betrogen - Prozess gegen Banker in Görlitz
Schein und Sein liegen mitunter weit auseinander. Ein Bankkaufmann aus einer Gemeinde bei Bautzen hatte seiner Familie die heile Welt vorgegaukelt. Er sorgte für ihren Unterhalt, gab sich als erfolgreicher Finanzberater aus. In Wahrheit war er über beide Ohren verschuldet. Statt reinen Tisch zu machen, wurde er kriminell. „Ich habe gelogen und betrogen“, gestand er heute zu Prozessbeginn am Landgericht Görlitz.
Anfangs liefen die Geschäfte ganz gut. Ralf D., wir haben seinen Namen geändert, verkaufte Lebensversicherungen. Dann kamen aber die Stornos. Er musste Provisionen an die Postbank zurückzahlen. Der Schuldenberg wuchs auf über 20.000 Euro an. Seine Familie sollte davon nichts wissen. So habe er angefangen, Löcher zu stopfen, gestand er.
Zwei Anklageschriften – über 40 Taten. Gutgläubigen Sparern nahm der Angeklagte rund 160.000 Euro ab, hat der Staatsanwalt errechnet.Die Geschädigten leben in Niesky. Mit dem Geld bestritt Ralf D. angeblich den Lebensunterhalt für seine ehemalige Frau, den Sohn und sich selbst. Er wollte so den Schein der heilen Welt vor seiner Familie aufrechterhalten.
Selbst vor seiner Schwiegermutter schreckte der Angeklagte nicht zurück. Er luchste ihr die Altersvorsorge ab, nahm ihre EC-Karte an sich, unter dem Vorwand, dass der Magnetstreifen getauscht werden müsse, hob laut Staatsanwaltschaft Beträge ab. Die Frau erlitt einen Nervenzusammenbruch.
Sie kam mit Krücken zur Verhandlung. Die 68-jährige Nieskyerin brach immer wieder in Tränen aus. Auch zu ihrer Mutter nach Thüringen sei er gefahren und mit 4.000 Euro zurückgekehrt. Es war ihr Sterbegeld.
Um die geprellten Anleger zu beruhigen, fälschte der Angeklagte Depot- und Jahressteuerbescheinigungen. Vier Jahre trieb er das kriminelle Spiel. Dann fand seine neue Freundin zig Briefe in der Garage. Das Spiel war vorbei.
Das Urteil folgt.