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„Aufrichtig sein und ehrlich bringt Gefahr“ - Othello-Premiere in Weißwasser

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Die ehemalige Glasfabrik „Telux“ in Weißwasser wird zum Schauplatz für eine Tragödie. Zum Auftakt des Lausitz Festivals wird heute Abend Shakespeares „Othello“ aufgeführt. Bei dieser eigenwilligen Inszenierung von Marcel Kohler ist das Publikum mitten im Geschehen. Es kann an mehreren Orten verschiedene Aspekte des Stücks kennenlernen. „Wir haben die Insel Zypern in die Halle gebaut. Die Zuschauer können von einem Dorfplatz zum Beispiel in eine Wohnung und in ein Restaurant wechseln. Damit kann das Publikum ganz andere Erfahrungen machen, als wenn es einfach nur dasitzt und berieseln lässt.“

Den Othello spielt Leonard Burkhardt, den Jago Götz Schubert, vielen auch in anderen Theaterstücken und auch als TV-Kommissar Butsch in der Krimiserie „Wolfsland“ bekannt. „Es ist ein bisschen auch der Versuch,  in die Küchen und in die Schlafzimmer der Herrschenden hineinzuschauen“, verriet uns Schubert. „Othello“ ist eine Tragödie. Daran werde sich an diesem Abend nichts ändern. „Aber der Weg dahin, der ist ein bisschen neu, ein bisschen überraschender.“

Aus dem Programmheft:

„Schon die Ausgangslage ist verwickelt: Venezianer und Türken, westliche Wirtschaftsmacht und Militärmacht aus dem Osten, streiten um das heute geteilte Zypern. Jago ist nicht befördert worden und setzt als Vergeltung für die durch General Othello erlittene Herabsetzung eine Intrige in Gang, die dem Befehlshaber der venezianischen Flotte weismacht, seine Frau Desdemona würde ihn mit seinem Günstling betrügen ...Enttäuschtes Verlangen und Verlustängste versetzen die Figuren dieses Stückes in Rage. Wut und Begehren, beides mächtige Triebfedern im Umgang mit dem Anderen und nicht nur in der Lausitz vertraute Geschichtskräfte, setzen ein verhängnisvolles Spiel in Gang, bei dem es am Ende nur Verlierer gibt.“

Das Lausitz Festival geht bis 14. September. Über 50 Veranstaltungen stehen auf dem Programm -  an 30 Orten in der Lausitz. Das Spektrum reicht von Konzerten, Theater und Tanz bis zu Liederabenden, Lesungen und philosophischen Gesprächen.  So erklingen alle 16 Streichquartette von Ludwig von Beethoven,  z.B.. auf Schloss Branitz, in der Zittauer Kreuzkirche oder in der Fachwerkkirche Gut Saathain. Festivalort ist wieder ein Hangar auf dem ehemaligen Flugplatz in Cottbus. Dort wird getanzt. „Stille Post – lauter Träume“ ist das Motto. Im Filmtheater Guben wird das Stück „Widerstand“ aufgeführt von Lukas Rietzschel, der in Kamenz aufgewachsen ist und in Görlitz lebt. Der lettische Radiochor singt in der Görlitzer Peterskirche.

Das gesamte Programm:

www.lausitz-festival.eu

 

Audio:

Regisseur Marcel Kohler
Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit Schauspieler Götz Schubert. Er spielt den Jago.