Auswertung der Kriminali­tätslage des Jahres 2016 in den Landkreisen Bautzen und Görlitz

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Auswer­tung der Krimi­nalitätslage des Jahres 2016 in den Landkreisen Bautzen und Görlitz

 

Krimi­nalitätsbelas­tung auf niedrigstem Stand seit zehn Jahren

Die Krimi­nalitätsbelas­tung ist in den Landkreisen Bautzen und Görlitz weiter zurückgegangen. Das weist die jüngst vorge­stellte Polizei­liche Krimi­nal­sta­tistik des Freistaates Sachsen für das Jahr 2016 aus. Die Fallzahlen haben in der Oberlau­sitz den tiefsten Stand der vergan­genen zehn Jahre erreicht. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist ein Rückgang der Straf­taten um knapp 17 Prozent zu verzeichnen. Gleich­zeitig stieg die Aufklärungs­quote auf mehr als 60 Prozent - ein heraus­ra­gender Wert.

Dazu Polizeipräsident Conny Stiehl:

Wir sehen hier das Ergebnis unserer jahre­langen, inten­siven Ermitt­lungs­ar­beit. Ein Schlüssel des Erfolges war, ist und bleibt die enge und profes­sio­nelle Zusam­men­ar­beit mit der polni­schen und tsche­chi­schen Polizei. Aber: Die Situa­tion ist für uns kein Grund, sich auszu­ruhen - ganz im Gegen­teil.

Die Krimi­nalitätsbelas­tung in der Oberlau­sitz entwi­ckelte sich im vergan­genen Jahr entgegen dem allge­meinen Landes­trend, bei dem ein Anstieg zu verzeichnen war. Auch bei Wohnungs­einbrüchen waren - im Gegen­satz zu den großen Städten im Freistaat - in den beiden östlichsten Landkreisen vergleichs­weise wenige Fälle (2016: 668 Fälle, 2015: 809 Fälle, 2014: 728 Fälle) zu verzeichnen.

Die Polizei­liche Krimi­nal­sta­tistik (PKS) weist für die Landkreise Bautzen und Görlitz insge­samt 36.655 Fälle aus (2015: 38.979 Fälle, 2014: 41.027 Fälle), bei denen den Ermitt­lungsbehörden Straf­taten bekannt wurden und die Ermitt­lungen im Verlauf des Bericht­zeit­raumes abgeschlossen wurden. Davon entfielen 2.542 Fälle (2015: 1.572 Fälle, 2014: 1.349 Fälle) auf Verstöße gegen das Asyl-, Aufent­halts- und Freizügigkeits­ge­setz, die in der überwie­genden Mehrzahl auf Feststel­lungen der Bundes­po­lizei zurückzuführen waren. Zu diesen Straf­taten gibt es keine Geschädigten im klassi­schen Sinne, weshalb hierdurch das Sicher­heits­emp­finden der Bevölkerung kaum beeinträchtigt wird.

Wo geschahen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz im Vergleich zur Anzahl der Bevölkerung am häufigsten Straf­taten?

Zu dieser Frage gibt die sogenannte Häufigkeits­ziffer (HKZ) Auskunft. Sie beschreibt als fiktive Größe die Anzahl der Straf­taten hochge­rechnet auf je 100.000 Einwohner einer Stadt oder Gemeinde.

Demnach geschahen im Vergleich zur Größe der örtlichen Bevölkerung im vergan­genen Jahr beson­ders häufig Straf­taten, zumeist Eigen­tums­de­likte, in Görlitz und Zittau sowie Horka und Weißwasser - alles Städte und Gemeinden im grenz­nahen Raum zur polni­schen Republik. Die geringste Krimi­nalitätsbelas­tung war anhand der Häufigkeits­ziffer in den Gemeinden Crost­witz, Räckelwitz, Lichten­berg und Puschwitz zu verzeichnen, die allesamt in der ländlich geprägten Region des Landkreises Bautzen zu verorten sind.

Der Schwer­punkt der polizei­li­chen Lage liegt unverändert im Landkreis Görlitz

Schwer­punkt der polizei­li­chen Lage im Allge­meinen bleibt der Landkreis Görlitz, insbe­son­dere die Städte Görlitz und Zittau sowie der grenz­nahe Raum entlang der Neiße. Daher wird entlang der gesamten sächsisch-polni­schen Grenze auch in Zukunft das Haupt­au­gen­merk der polizei­li­chen Arbeit liegen.

Mehr als drei von fünf Straf­taten aufgeklärt

Die Polizei hat in den Landkreisen Bautzen und Görlitz im Jahr 2016 mehr als 60 Prozent der bekannt gewor­denen Straf­taten aufgeklärt. Dieser Wert liegt deutlich über dem Landes­durch­schnitt von 55,8 Prozent.

Dazu Polizeipräsident Conny Stiehl:

Das Ergebnis ist bemer­kens­wert. Der Erfolg gebührt unseren Beamten der Schutz- und Krimi­nal­po­lizei - aber im beson­deren Maße auch der Bevölkerung. Dank schneller und genauer Zeugen­hin­weise gelingt es der Polizei, Tatverdächtige auf frischer Tat zu stellen und Straf­taten aufzuklären. Bleiben diese wertvollen Hinweise jedoch aus, suchen wir oftmals sprichwörtlich die Nadel im Heuhaufen.

Insge­samt wurden im vergan­genen Jahr 22.260 Fälle aufgeklärt (2015: 22.557 Fälle, 2014: 23.844 Fälle), zu denen 15.226 Tatverdächtige ermit­telt wurden (2015: 14.671 Tatverdächtige, 2014: 14.581 Tatverdächtige).

4.948 Tatverdächtige waren nicht-deutscher Natio­nalität, zumeist polni­sche oder tsche­chi­sche Staatsbürger (2015: 3.873 Tatverdächtige, 2014: 3.244 Tatverdächtige). 875 Tatverdächtige waren Zugewan­derte, die den Status eines Asylbe­wer­bers, Schutz- oder Asylbe­rech­tigten, einer gedul­deten Person oder eines Kontin­gentflüchtlings innehatten (2015: 650 Tatverdächtige, 2014: 323 Tatverdächtige). Unter ihnen befanden sich insge­samt 63 Mehrfach- und Inten­sivtäter.

Fahrrad­diebstähle um etwa ein Fünftel rückläufig

Diebstahls­de­likte machen mit etwa 37 Prozent (2016: 13.536 Fälle, 2015: 16.720 Fälle, 2014:  17.170 Fälle) unverändert den Löwenan­teil der Krimi­nalitätsbelas­tung in den Landkreisen Bautzen und Görlitz aus. Aller­dings war auch hier gegenüber dem Vorjahr ein spürbarer Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen.

Jedoch fällt der unverändert hohe Anteil der Fälle ins Auge, die aus unter­schied­lichsten Gründen der sogenannten Beschaf­fungs­kri­mi­nalität zugerechnet werden können. Gemeint sind hierbei Sachver­halte, bei denen Tatverdächtige zur Sicher­stel­lung des Lebens­un­ter­haltes, einer Drogen- oder Alkohol­sucht oder aus anderen Gründen Straf­taten begehen.

Hierzu zählt häufig auch - wenngleich im vergan­genen Jahr signi­fi­kant um mehr als 500 Fälle rückläufig - der Diebstahl von Fahrrädern (2016: 1.968 Fälle, 2015: 2.537 Fälle, 2014: 2.509 Fälle). Etwa jeder siebte Diebstahl in den Landkreisen Bautzen und Görlitz war im Jahr 2016 eine solche Straftat. Örtliche Schwer­punkte der Täter waren unverändert die Stadt­ge­biete von Görlitz, Hoyers­werda, Zittau, Weißwasser und Bautzen.

Dazu Polizeipräsident Conny Stiehl:

Der Diebstahl von Fahrrädern beschäftigt die Polizei tagtäglich. Nicht selten wird es den Tätern aber zu leicht gemacht. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, sein eigenes Hab und Gut bestmöglich zu sichern. Die Fachbe­rater unserer Polizei­li­chen Beratungs­stelle, Polizei­haupt­kom­missar Rolf Kasper und Krimi­nal­haupt­kom­missar Burkhard Röwer, stehen jeder­mann mit Rat und Infor­ma­tion zur Seite.

Fahrzeug­diebstähle deutlich unter Vorjah­res­ni­veau

Im Jahr 2016 wurden in den Landkreisen Bautzen und Görlitz einhun­dert Kraft­fahr­zeuge weniger gestohlen als noch im Vorjahr. Die Anzahl der tatsächlich entwen­deten Fahrzeuge betrug insge­samt 409 (2015: 509, 2014: 497). Dazu waren 189 Fälle zu verzeichnen, bei denen ein Diebstahl im Stadium des Versu­ches schei­terte (2015: 271, 2014: 281). Die meisten Total­ent­wen­dungen geschahen in den Stadt­ge­bieten von Görlitz und Zittau.

Bedeu­tende Kompo­nenten bei der Aufklärung der grenzüberschrei­tenden Kfz-Krimi­nalität sind die gemein­samen Fahndungs­gruppen Bautzen und Neiße, die die Polizei­di­rek­tion Görlitz seit Jahren mit der Bundes­po­li­zei­di­rek­tion Pirna sowie mit der Wojewod­schafts­kom­man­dantur der polni­schen Polizei in Wroclaw betreibt.

Dabei liegt der Schwer­punkt der gemein­samen Fahndungs­gruppe Bautzen darauf, die überre­gio­nalen Verkehrs­wege in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zu überwa­chen und dabei gestoh­lene Autos, Lkw sowie Bau- oder landwirt­schaft­liche Maschinen zu stoppen. Häufig werden die Zivil­fahnder dabei aller­dings für die Polizeien anderer Bundesländer tätig, wenn durch Täterstel­lungen Straf­taten in deren Zuständigkeits­be­reich aufgeklärt werden.

Die gemein­same Fahndungs­gruppe Neiße wiederum ermit­telt beider­seits der Neiße zu Täterstruk­turen sowie Verste­cken und Absatzmärkten gestoh­lener Güter. Dabei zahlt sich der inten­sive Austausch mit den polni­schen Ermitt­lern in jahre­langer Tätigkeit aus. Der Schlüssel des Erfolges liegt in der Kompe­tenz, sich sowohl in deutscher, als auch in polni­scher Sprache verständigen zu können und über wichtige Infor­ma­tionen beider Dienst­stellen zu verfügen. 

Straf­taten im Zusam­men­hang mit dem Thema Zuwan­de­rung

Die Polizei­liche Krimi­nal­sta­tistik (PKS) erfasst unter dem Begriff des Zugewan­derten auch inter­na­tional oder national Schutz- oder Asylbe­rech­tige, gedul­dete Personen sowie Kontin­gentflüchtlinge.

Im Jahr 2016 wurden der Polizei in den Landkreisen Bautzen und Görlitz insge­samt 1.364 Fälle bekannt, die von diesem Perso­nen­kreis begangen wurden (2015: 1.222 Fälle, 2014: 571 Fälle). Im Vergleich zum Vorjahr stellt dieses eine Zunahme um etwa zwölf Prozent dar und ist teilweise auch auf die insge­samt gestie­gene Anzahl von Zugewan­derten in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zurückzuführen. Diese Fallzahl beinhaltet aller­dings auch Feststel­lungen der Bundes­po­lizei zu Verstößen gegen das Asyl-, Aufent­halts- und Freizügigkeits­ge­setz (AAFG).

Wie oben bereits ausgeführt - und hier der Vollständigkeit halber wieder erwähnt - waren 875 Tatverdächtige Zugewan­derte, die den Status eines Asylbe­wer­bers, Schutz- oder Asylbe­rech­tigten, einer gedul­deten Person oder eines Kontin­gentflüchtlings innehatten (2015: 650 Tatverdächtige, 2014: 323 Tatverdächtige). Unter ihnen befanden sich insge­samt 63 sogenannte Mehrfach- und Inten­sivtäter Asyl (MITA).

Die überwie­gende Mehrzahl der polizei­lich bekannt gewor­denen Fälle im Zusam­men­hang mit Zugewan­derten betraf Eigen­tums­de­likte, insbe­son­dere Laden­diebstähle (2016: 245 Fälle, 2015: 381 Fälle, 2014: 143 Fälle), Sachbeschädigungen (2016: 93 Fälle, 2015: 78 Fälle, 2014: 37 Fälle) sowie Körperver­let­zungs­de­likte (2016: 335 Fälle, 2015: 176 Fälle, 2014: 96 Fälle). Letztere geschahen zumeist zwischen Asylsu­chenden inner­halb ihrer Unterkünfte.

Ermitt­lungen zu den Ereig­nissen auf dem Kornmarkt in Bautzen

Im Beson­deren liegt das Augen­merk der Polizei­di­rek­tion Görlitz unverändert auf der Aufar­bei­tung der Gescheh­nisse und Ausein­an­der­set­zungen des vergan­genen Herbstes rund um den Kornmarkt in Bautzen. Die Ermitt­lungs­gruppe PLATTE der Krimi­nal­po­li­zei­in­spek­tion Görlitz hat bis dato in etwa 160 Fällen straf­recht­liche Ermitt­lungen zu Sachver­halten geführt, die der Polizei seit dem 1. Mai 2016 bekannt geworden sind. Etwa 80 dieser Verfahren sind bereits abgeschlossen und wurden an die Staats­an­walt­schaft zur weiteren Entschei­dung abgegeben. In der anderen Hälfte der Fälle dauern die Ermitt­lungen unverändert an. Erst nach Abschluss aller Verfahren wird eine belast­bare Bewer­tung der Vorgänge vor Ort möglich sein.

Die Polizei wird weiterhin insbe­son­dere in den Abend­stunden mit Kräften des Einsatz­zuges der Polizei­di­rek­tion oder der Bereit­schafts­po­lizei am Kornmarkt in Bautzen präsent sein. Zusätzlich kommen auch Zivilkräfte der Krimi­nal­po­lizei und des Opera­tiven Abwehr­zen­trums der sächsischen Polizei zum Einsatz.

Die Problem­stel­lung ist insge­samt jedoch vielschich­tiger zu betrachten. Aus diesem Grund werden die darge­stellten Maßnahmen durch ein breit gefächertes Maßnahmen­paket im Umfeld begleitet. Dazu gehören insbe­son­dere ein direkter Infor­ma­ti­ons­aus­tausch und die enge Zusam­men­ar­beit mit den kommu­nalen Einrich­tungen und sächsischen Sicher­heitsbehörden. Hierbei ist in beson­derem Maße auf die enge Zusam­men­ar­beit mit der Stadt Bautzen zu verweisen, die sich beispiels­weise durch gemein­same Streifen des Ordnungs­amtes mit den Bürgerpo­li­zisten der Polizei betei­ligt. Auch ist der Einsatz der Wachpo­lizei an verschie­denen Orten zu erwähnen, die neben dem Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mit den Betrei­bern der Asylun­terkünfte vor allem das subjek­tive Sicher­heitsgefühl bei den Asylsu­chenden, aber auch bei der Bevölkerung erhöhen.

All diese Maßnahmen werden bis auf Weiteres unverändert fortgeführt und die Lageent­wick­lung intensiv beobachtet.

Hinter­grund­in­for­ma­tion

Die statis­ti­schen Daten entstammen der Polizei­li­chen Krimi­nal­sta­tistik (PKS), die die Polizeien der Länder und des Bundes nach einheit­li­chen Parame­tern erheben. Die PKS ist eine sogenannte Ausgangs­sta­tistik, die die Fallzahlen aller im Berichts­zeit­raum abgeschlos­senen Ermitt­lungs­ver­fahren mit Tatort in der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land beschreibt. Dabei werden Verkehrs­straf­taten, beispiels­weise Trunken­heits­fahrten oder Gefährdung des Straßenver­kehrs, sowie Staats­schutz­de­likte wie das Verwenden verfas­sungs­feind­li­cher Symbole nicht von der PKS erfasst. Aus den statis­ti­schen Daten können auch für regio­nale Bereiche nach einer Analyse und Inter­pre­ta­tion Entwick­lungen der Krimi­nalität und Trends abgelesen werden. (tk)

Bildma­te­rial zur Medien­in­for­ma­tion:

Deckblatt PKS 2016 PD Görlitz

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Folie 2 - Entwick­lung Krimi­nalität

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Folie 3 - Auftei­lung nach Landkreisen

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Folie 4 - Fallzahlen nach Revier­be­rei­chen

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Folie 5 - Häufigkeits­zif­fern

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Folie 6 - aufgeklärte Straf­taten

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Folie 7 - Ermit­telte Tatverdächtige

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Folie 8 - Straf­ta­ten­ober­gruppen gesamt

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Folie 9 - Kfz-Diebstähle

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Folie 10 - Kfz-Diebstähle

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Folie 11 - Fahrrad­diebstähle

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Folie 12 - Krimi­nalität an den Grenzen

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Folie 13 - Diebstahl tsche­chi­sche Grenze

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Folie 14 - Diebstahl polni­sche Grenze

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Folie 15 - Strafaten Zuwan­de­rung

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Folie 16 - Straf­taten Zuwan­de­rung

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Impressum

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Quelle: www.polizei.sachsen.de/de/MI_2017_48754.htm