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Autoschieber macht reinen Tisch in Görlitz, muss aber trotzdem ins Gefängnis

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Das kommt nicht oft vor: Ein Autoschieber hat reinen Tisch gemacht. Er legte heute im Prozess vor dem Amtsgericht Görlitz ein umfassendes Geständnis ab, wohl um einer Gefängnisstrafe zu entgehen.

Der 25-jährige Pole hatte in der Nähe von Frankfurt/Main von Landsleuten in zwei Fällen gestohlene Audi  mit laufendem Motor übernommen. Die hoch motorisierten Wagen waren zuvor mit einem Funkwellenverlängerer gestartet und in drei Minuten das GPS-Ortungssystem deaktiviert worden. Die erste Fahrt ging gut für ihn. Dafür bekam er 700 Euro von seinem Auftraggeber, einem gewissen Nikosz, den er in einem Spielcasino im schlesischen Hirschberg (Jelenia Gora) kennengelernt hatte.

Die zweite Tour endete in Handschellen. Der Audi SQ7 fiel einer Polizeistreife  in Ruhland auf. Der Fahrer durchbrach eine Kontrollstelle, raste mit bis zu 250 Kilometer pro Stunde über B 169, 96 und 156, er überholte bei Gegenverkehr, mogelte sich  zwischen einem Schulbus mit 15 Kindern und einem Lkw durch, ignorierte rote Ampeln, bretterte über Gehwege. Nach der fast 100 Kilometer langen Flucht quer durch die Lausitz war für ihn die Tour zu Ende. In Podrosche – kurz vor der Grenze zu Polen – brach der Wagen aus einer Kurve aus,  setzte auf einer Anhöhe vor einem Einfamilienhaus auf, rollte zurück gegen das Polizeiauto.

„Er kannte die Strecke sehr gut“, so ein Ermittler. Die erste Tour hatte er zunächst bestritten. Pech für ihn: Er wurde geblitzt. Anhand des Bildes konnte der Angeklagte eindeutig identifiziert werden. Pech für die Ermittler: Die Daten auf dem iPhon, mit dem der Angeklagte  mit seinem Auftraggeber Kontakt hielt, wurden unmittelbar nach der Festnahme per Fernlöschung getilgt.

Gegenüber den Polizisten gab er sich überheblich und arrogant. „Er hatte Null Unrechtsbewusstsein“, so die Vernehmerin. Reumütig gab sich der Angeklagte heute in der Verhandlung,  nicht zuletzt nach sechs Monaten Untersuchungshaft. Er hatte keine Arbeit  und 1.500 Euro Mietschulden. Deshalb nahm er den Job an.

Das Urteil: Zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis.