Unter Protest der Landwirte: Bahnwerk in Cottbus eröffnet
Begleitet von Protesten der Landwirte wurde am Donnerstagvormittag in Cottbus das modernste und größte ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Betrieb genommen. Bundeskanzler Olaf Scholz, Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bahnvorstandschef Richard Lutz haben die fast 450 Meter lange Halle eröffnet.
Aus Protest gegen die Politik der Bundesregierung haben etwa 100 Landwirte am Werk demonstriert. Die Polizei hatte einen Traktoren-Korso an der Halle vorbeigeleitet. Auch eine Kundgebung mit etwa 1.000 Teilnehmern wurde in der Nähe abgehalten. Auswirkungen auf die Eröffnung hatte der Protest aber nicht.
Am Bahn-Standort in Cottbus wird künftig die neue ICE4-Flotte gewartet. Bis 2025 sollen bis zu 1.200 Arbeitsplätze geschaffen werden. Finanziert wird das neue Werk aus Mitteln des Strukturstärkunsgesetzes.
Bau der Halle in Rekordzeit
Die erste zweigleisige 435 Meter lange Halle für die Wartung der ICE-Flotte wurde in nur rund 20 Monaten errichtet. Der Spatenstich für das neue Werk erfolgte im Mai 2022. Damals sprach Bundeskanzler Olaf Scholz von „Deutschland-Geschwindigkeit“. Man habe die Bahn beim Bautempo in Gesprächen von der „Tesla-Geschwindigkeit überzeugt“, hatte Brandenburgs Regierungschef Woidke noch während der Bauphase berichtet.
ICE-Instandhaltung soll schneller werden
Das neue Bahnwerk soll von Beginn an neue technische Maßstäbe setzen. So ist es nach DB-Angaben möglich, in die Halle 374 Meter lange ICE-Züge mit bis zu 13 Wagen in voller Länge einfahren zu können. Ein Rangieraufwand fällt damit weg. Das bedeute mehr Tempo und Effizienz, weil die Züge während der Instandhaltung nicht mehr geteilt oder bewegt werden müssen, so ein Sprecher. Zudem können den Angaben nach die Instandhaltungsarbeiten gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen ausgeführt werden, am Dach kann auf ganzer Länge gearbeitet werden.
Das Werk ist speziell auf den ICE-4 zugeschnitten - für die Bahn ist der Zug mit einer Kapazität von bis zu 13 Wagen das „Rückrad des Fernverkehrs“. Mit der neuen Technologie in der Halle soll es geschafft werden, die Zeiten für die Instandhaltung der Züge von etwa 20 Tagen deutlich zu verringern. Bis 2025 soll die ICE-4-Flotte 137 Züge haben, bis Ende 2030 dann 450 Züge.
Hunderte Arbeitsplätze entstehen
2026 soll der Neubau einer zweiten, viergleisigen Instandhaltungshalle fertig sein. Bis 2024 will die Bahn mehr als 400 neue Mitarbeiter und Auszubildende an Bord holen. Bis 2026 kommen noch einmal 800 Stellen dazu.
Cottbus soll wichtiger Verkehrsknotenpunkt bleiben
Die Stadt als alter Bahnstandort soll wichtiger Verkehrsknotenpunkt bleiben - mit dem ICE-Werk und auch als Station im ICE-Netz - so hoffen es Politik und Wirtschaftsförderer in der Region. Das würde Cottbus und die Lausitz noch attraktiver für Zuzügler und Rückkehrer machen, die als Arbeitskräfte dringend gebraucht werden. Dazu muss der Ausbau der Schieneninfrastruktur an Fahrt aufnehmen. Ein erster Schritt ist getan: der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Lübbenau-Cottbus wird ist ein weiterer großer Schritt erreicht.
Eine Finanzierungsvereinbarung dazu steht. Die Züge sollen ab Ende 2027 im 30-Minuten-Takt fahren. Geplanter Baubeginn ist Ende 2026. Insgesamt sollen rund 265 Millionen Euro in den Ausbau fließen, 255 Millionen Euro davon aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen. (mit dpa)