Beinahe von der Zeit verschluckt: Burgruine Karlsfried bei Oybin
Hoch oben auf einem schmalen Felsrücken im Zittauer Gebirge liegt ein Ort, den die Zeit beinahe verschluckt hätte. Wir sind an der Burgruine Karlsfried bei Oybin. Wer dorthin wandert, braucht einen wachen Blick. Wo einst mächtige Mauern in den Himmel ragten, finden wir heute moosbewachsene Steine und tiefe Gräben, die sich in den Sandstein schneiden.
Vor 650 Jahren war das keine romantische Ruine, sondern ein eiskaltes strategisches Bollwerk. Kein Geringerer als Kaiser Karl IV. ließ die Burg um 1350 errichten. Ihr Zweck? Kontrolle. Karlsfried thronte direkt über der „Gabler Straße“, einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen der Lausitz und Böhmen. Wer hier vorbei wollte – ob Tuchhändler oder Söldner – musste am Kaiser vorbei. Und er musste Zoll zahlen.
Die Burg war das steinerne Siegel der kaiserlichen Macht. Doch der Glanz währte nicht ewig. Im 15.Jahrhundert, während der Hussitenkriege, hielt die Festung zwar stand, doch später verlor sie ihre Bedeutung. Die Steine der Burg wurden schließlich abgetragen, um andere Gebäude in der Region zu errichten – ein Schicksal, das viele stolze Burgen teilten.
Heute ist der Karlsfried ein Geheimtipp für Entdecker.
