++ EIL ++

Berzdorfer See wird Wärmelieferant für Görlitz und Zgorzelec

Zuletzt aktualisiert:

Der Aufbau eines gemeinsamen, klimaneutralen Fernwärmenetzes in  Görlitz und Zgorzelec bis 2030 wird konkret. In diesem Jahr geht es in beiden Städten mit ersten Bauprojekten los.  Fördermittel  für die ersten Investitionen des rund 195 Millionen Euro teuren Vorhabens stehen bereit.

Auf deutscher Seite werden Klärgasspeicher erweitert und der erste Kilometer einer Verbindungsleitung zwischen dem Blockheizkraftwerk in Görlitz-Königshufen und der Kläranlage Nord an der Neiße gelegt. Auf polnischer Seite wird ein Biomasseheizwerk errichtet. 2030 sollen beide Netze komplett auf erneuerbare Energieträger umgestellt sein.  Damit werden  50.000 Tonnen Co2 eingespart und somit eine klimaneutrale Bilanz erreicht.

Das Konzept sieht vor, dass alle fünf Fernwärmegebiete in der Europastadt miteinander verbunden werden – mit einer insgesamt zwölf Kilometer langen Leitung. Sie wird am Klärwerk-Nord über die Neiße nach Zgorzelec verlaufen. Der Berzdorfer See liefert künftig ein Drittel der sauberen Wärme für Görlitz und Zgorzelec. Das Verfahren heißt „Seethermie“. Am See wird ein Wärmetauscher errichtet. „Wasser aus dem See durchläuft die Anlage, die Wärme wird herausgezogen und das Wasser wird wieder zurück in den See geleitet“, erläutert Sascha Caron, Prokurist der Stadtwerke Görlitz. Hinzu kommt eine Wärmepumpe für gereinigtes Abwässer an der Kläranlage „Nord“. 

Fast die Hälfte der Wärme für die Europastadt wird aus Biomasse gewonnen. Dafür sollen in beiden Städten Anlagen gebaut werden.  Außerdem errichten die Stadtwerke Görlitz auf einem 37 Hektar großen Gelände an der Autobahn ein Solarfeld  und einen Erdbeckenspeicher. In Zgorzelec wird noch in diesem Jahr mit dem Bau eines Biomasseheizwerkes begonnen. Auf polnischer Seite wird immer noch Braunkohle verfeuert. An kalten, klaren Wintertagen liegt der Geruch in der Luft.

Das rund 195 Millionen Euro teure Projekt mit dem Namen„ United Heat“ wird  gefördert. Die EU hat 50 Prozent in Aussicht gestellt, der Bund bis zu 40 Prozent. Konkrete Zusagen gibt es schon in Höhe von insgesamt 31 Millionen Euro. Görlitz und Zgorzelec rechnen mit einer 90-prozentigen Förderung.

Für die Umsetzung des Vorhabens wurde ein multinationales Team mit 30 Fachleuten gebildet.

Oberbürgermeister Octavian Ursu: „Das Projekt hat eine symbolische Kraft. Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec hat in Europa eine Vorreiterrolle übernommen. Natürlich darf den Menschen durch die Kosten keine Nachteile entstehen. Die Preise müssen bezahlbar bleiben.“

Rafal Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec: „Wir bereiten uns auf die Zukunft vor. Unser Heizwerk wird hauptsächlich mit Braunkohle betrieben. Es wird ein Biomasseheizwerk gebaut.“

Audio:

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu
Der Bürgermeister von Zgorzelec, Rafal Gronicz
Matthias Block, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Görlitz
Der Berzdorfer See als Wärmespender. Sascha Caron, Prokurist der Stadtwerke Görlitz