Bislang nur ein Missbrauchsfall im Bistum Görlitz aufgedeckt
Dem Bistum Görlitz ist bislang nur ein Missbrauchsfall an Minderjährigen bekannt geworden. Ein Betroffener habe sich gemeldet, der beschuldigte Priester sei schon verstorben, sagte heute Generalvikar Alfred Hoffmann. Das Opfer erhielt in Anerkennung des erlittenen Leids 4000 Euro. Hinweise auf weitere Fälle gebe es bislang nicht. Die Akten von 108 noch lebenden katholischen Priestern des Bistums Görlitz waren durchleuchtet worden – allerdings nur für den Zeitraum von 2000 bis 2014. „Diese Entscheidung hat das Forschungskonsortium getroffen, nicht wir“, so Hoffmann. Man sei bei der Auswahl der Bistümer nach dem Zufallsprinzip vorgegangen.Nach bislang unbestätigten Angaben soll es im Bistum Görlitz mindestens einen weiteren Missbrauchsfall geben. Ein Priester soll sich 1964 an zwei Jungen vergangen haben. Dieser Fall sei dem Bistum bisher nicht bekannt, sagte Hoffmann. Er schloss aber ein „Dunkelfeld“ nicht aus. Die Kirche werde unter das Thema keinen Schlussstrich ziehen.Das Bistum Görlitz hat zwei Ansprechpartner eingesetzt – eine Frau und einen Mann -, die Hinweisen auf weitere mögliche Missbrauchsfälle nachgehen sollen. „Wir wollen eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinsehens schaffen, damit Gefahren und Risiken rechtzeitig erkannt werden“, so Hoffmann.
Priester und andere Mitarbeiter des Bistums, die Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben, müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnen. Sie werden außerdem speziell geschult, sagte Präventionsbeauftragter Andreas Oyen. Die Pfarreien haben den Auftrag erhalten, ein Schutzkonzept zu entwickeln und konkrete Gefahrenquellen zu ermitteln. Die Kirchenleitung will ein Verhaltenskodex aufstellen. Das Bistum Görlitz wurde 1994 gegründet. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges waren in dem heutigen Amtsbereich rund 250 Priester tätig. Aktuell leisten 29 Priester ihren Seelsorgedienst. Das Bistum Görlitz erstreckt sich über die Niederlausitz und den nordöstlichen Teil der Oberlausitz. Aktuell leben dort fast 30.000 Katholiken.