„Blamabel für Görlitz“ - Rote Karte für Standbetreiber
Nach dem Anwohnerparkausweis-Preisschock gibt es schon wieder Ärger in der Görlitzer Altstadt. Der Stand eines Lebensmittelhändlers im Laubengang des ehemaligen Traditionshotels „Brauner Hirsch“ sorgt für Irritationen und Unmut. Bewohner sehen eine – so wörtlich – „Herabwürdigung“ des denkmalgeschützten Gebäudes und des baulichen Ensembles am Untermarkt. Sie haben sich mit einem Brief an den Oberbürgermeister gewandt.
„Grelle weiße Scheinwerfer, Baumarkt-Plastikregale mit Campingtischen davor gestellt, darauf Obst und Gemüse, Chipstüten und Limo-Flaschen“, zählen zwei Bewohner der Görlitzer Altstadt auf. „Genau an der Ecke zur Neißstraße, wo viele Touristen vorbeikommen. Das ist blamabel für Görlitz.“
Die Verfasser des Schreibens fragen, wie der Händler zu seiner Gewerbegenehmigung gekommen ist. Die Stände sind für sie eine „Herabwürdigung“ des historischen Gebäudes. Außerdem bezweifeln sie, dass durch die Verkäufer die Hygienenormen eingehalten werden.
Wir haben die Stadtverwaltung zum Thema angefragt. Antwort erhielten wir heute Mittag.
„Der Marktstand vor dem denkmalgeschützten Gebäude wird aktuell weggeräumt.“ Er passe nicht auf den Görlitzer Untermarkt und „entspricht auch nicht unserer Vorstellung vom Erscheinungsbild der Altstadt“, antwortet uns Oberbürgermeister Octavian Ursu. Er verwies zugleich auf den Elisabethplatz. Dort könne der Händler seinen Stand betreiben.
Ob der Standbetreiber mit einem Bußgeld belangt wird oder ungeschoren davon kommt, wollte uns eine Rathaussprecherin nicht sagen. Sie verwies auf den Datenschutz. Keine Antwort auch auf unsere Frage, ob der Lebensmittelhändler eine Genehmigung zur Ausübung des Gewerbes hatte. Es handele sich um ein laufendes Verfahren, so die Begründung.