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Bürgerinitiative sieht Natur-Refugium in Mulkwitz bedroht

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Die Gemeinde Schleife hat schon einen hohen Preis für die Braunkohle zahlen müssen.  Der Bagger des Tagebaus Nochten holte sich in den vergangenen Jahrzehnten  immer mehr Land. Seit Beginn der Kohleförderung hat Schleife Flächen eingebüßt. Mühlrose wird nun als letzter Ort  geopfert. Die Leag will bis zum vereinbarten Kohleausstieg das Mühlroser Flöz abbaggern. Es müsste damit Ruhe einziehen. Aber in Schleife herrscht dicke Luft.

Es gibt neuen Ärger.  Die Mulkwitzer Hochkippen sollen mit Photovoltaikanlagen zugestellt werden.  Zwei Investoren haben Anträge bei der Gemeinde eingereicht. Von fünf Solarparks auf den beiden 65 Meter hohen Hügeln spricht Daniel Jakubik, Mitglied Interessengemeinschaft  Mulkwitzer Hochkippen
Dafür sollen mindestens 100 Hektar Wald gerodet werden. „Wir sind entschieden dagegen. Gerade die Gemeinde Schleife hat eine besondere Verantwortung. Wir haben den Tagebau noch 17 Jahr vor der Haustür. Durch die Fortsetzung der Kohleförderung wird die gesamte Natur im Südwesten  zerstört. Deshalb müssen die verbleibenden Flächen besonders geschützt werden.“

In den 1960er Jahren wurde der Tagebau Nochten aufgeschlossen und der erste Aushub aufgeschüttet, wo einst ein alter Eichenwald stand.  Einwohner aus Schleife, Rohne und Mulkwitz kümmerten sich zu DDR-Zeiten um die Rekultivierung der beiden Kippen. Die Initiative ging vom damaligen Oberförsters aus.  Heute sind die beiden Hügel - von Einwohnern auch liebevoll Mulkwitzer Berge genannt -  ein Refugium für selten gewordene Pflanzen und Tiere, wie zum Beispiel dem „Kleinen Waldportier“ und den „Großen Feuerfalter“. Jakubik hat erfahren, dass 110 Arten auf der Roten Liste stehen: „Die meisten davon Status eins und zwei, also besonders streng geschützte Arten, die auch vom Aussterben bedroht sind“. Es sei ein kleines Naturparadies entstanden, schwärmt er.

Die Bürgerinitiative hat eine Unterschriftensammlung angeschoben. In Schleife liegen Listen aus. Es gibt eine Petition im Internet.  Rund 3.000 Menschen haben sich schon daran beteiligt. „Wir fordern die Gemeinde auf, den Bürgerwillen zu akzeptieren und nicht zu kriminalisieren.“

In dieser Woche hat der Gemeinderat das mehrstufige Planverfahren für die Photovoltaikanlagen in Gang gesetzt.  Die Aufstellungsbeschlüsse wurden gefasst.  Bürgermeister Jörg Funda verspricht Transparenz. Und: Es sei noch lange nichts entschieden. „Ich kann verstehen, dass es Menschen gibt, die sich Sorgen machen. Wir werden  sie einbeziehen. Das Verfahren wird ganz offen gestaltet.“  38 sogenannte Träger öffentlicher Belange, so u.a. aus Naturschutz und Forst. Auch die Einwohner werden befragt.

Jakubik meint, dass die Gemeinde doch schon einen guten Grund habe, das Vorhaben zu stoppen. Es gebe einen Beschluss aus dem Jahr 1997. Damit soll der Gemeinderat die Mulkwitzer Hochkippen zum besonders schützenswerten Bereich erklärt haben. 

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Reporter Knut-Michael Kunoth