Corona-Lage im Kreis Görlitz - „Wir fahren auf Sicht“
Der Kreis Görlitz fühlt sich im Kampf gegen Corona vom Freistaat allein gelassen. Landrat Bernd Lange forderte heute eine einheitliche Regelung, um mehr Kapazitäten für Covid-19-Kranke in den Kliniken zu schaffen. Auch sei die Folgefinanzierung bislang nicht geklärt. Stattdessen sollen Kräfte aus Gesundheits- und Ordnungsamt abgezogen und gemeinsam mit der Polizei die Einhaltung der 2G-Regel kontrollieren. Der Landrat hält diese Anordnung des Landes nicht für richtig. Das Gesundheitsamt müsse am Laufen gehalten werden, um Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen und Quarantänen zu überwachen. „Wir fahren auf Sicht“, sagte Sozialdezernentin Martina Weber.
Der Kreis Görlitz ist laut Robert-Koch-Institut mit fast 680 derzeit die Region mit der zehnthöchsten Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland. In Kliniken im Landkreis werden aktuell 119 Corona-Patienten behandelt. Zwölf befinden sich auf Intensivstationen, davon sind die meisten nicht vollständig geimpft oder haben Vorerkrankungen.
Der Landkreis will erneut Bundeswehrsoldaten anfordern. Sie sollen das Gesundheitsamt unterstützen und in den Krankenhäusern helfen. Ein entsprechendes Amtshilfeersuchen sei auf dem Weg, sagte uns der Landrat.
In den Alten- und Pflegeheimen ist das Ausmaß der Corona-Welle nicht so gravierend wie vor einem Jahr. Es mussten bisher keine Einrichtungen oder Bereiche vollständig gesperrt werden. Von Corona betroffen seien mehr Mitarbeiter als Bewohner, berichtete die Pflegekoordinatorin Jana Horcickova. Geimpfte Heimbewohner hätten milde Krankheitsverläufe.