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Deutschland probt den Katastrophenfall

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Erstmals seit 30 Jahren werden um punkt 11 Uhr in allen Städten und Gemeinden des Landes die Sirenen heulen - doch nur zur Probe. Deutschlandweit wird ein Warntag durchgeführt und der Katastrophenfall simuliert. Der einminütige Heulton der Sirenen wird in der Oberlausitz durch die Integrierte Rettungsleitstelle Ostsachsen in Hoyerswerda ausgelöst. Wie uns der Leiter der Regionalleitstelle Stefan Schumann sagte, werden zudem auch Informationen über Fernseh- und Radiostationen, sowie mobile Warnsysteme, wie zum Beispiel die NINA-App gesendet.

Der bundesweite Warntag findet zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung statt. Mit ihm sollen verschiedene Möglichkeiten zur Warnung für den Katastrophenfall getestet werden. Im gesamten Freistaat werden 3200 Sirenen ertönen, wie das Innenministerium mitteilte. Hinzu kommen Durchsagen per Lautsprecher, Mitteilungen über soziale Medien und Warn-Apps sowie digitale Werbetafeln. Um 11.20 Uhr werden die Sirenen dann Entwarnung geben. Anliegen des Warntages ist es auch, die Bevölkerung mit diesen Signalen vertraut zu machen.

Um die Grenzregionen auf den Warntag aufmerksam zu machen, sind von der Landesregierung auch die Behörden in Tschechien und Polen informiert worden.

Fragen und Antworten zum WarntagWarum ist der Warntag am 10. September?

Im größten Teil der Republik ist dann schon wieder Schule, so dass man davon ausgehen kann, möglichst viele Menschen zu erreichen. Der Warntag soll künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

Werden überall auch Sirenen heulen?

Es werden viele Sirenen heulen, aber welche Warnmittel jeweils genau zum Einsatz kommen, entscheiden die örtlichen Behörden.

Die Sirenen stammen ja teils noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Warum sind die heute immer noch nötig?

Sirenen gelten vor allem nachts als zuverlässiges Warnmittel. Ihr Heulton holt die Menschen aus dem Schlaf, wenn Fernseher, Radio und Handy ausgestellt sind.

Wozu braucht man dann noch andere Warnmittel?

Sirenen können nur kundtun, dass Gefahr im Verzug ist, aber nicht welche. Über Lautsprecherfahrzeuge kann man die Bevölkerung viel konkreter warnen. Und über die App NINA, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kommt die Warnung sogar direkt auf das Handy.

Wie funktioniert diese App?

NINA wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn entwickelt und ist mit dem sogenannten Modularen Warnsystem verknüpft. Das ist das satellitengestützte Warnsystem des Bundes, das Warnungen des BBK und lokale Warnungen der Leitstellen verbreitet. NINA empfängt aber auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserwarnungen. Andere Warn-Apps sind BIWAPP (Bürger Info und Warn App), KATWARN sowie diverse regionale Warn-Apps.

Welchen Sinn hat der Warntag aus Sicht der sächsischen Landesregierung?

„Zahlreiche Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit und nicht zuletzt die Corona-Pandemie zeigen, wie wichtig es ist, die Bevölkerung schnell und zuverlässig zu warnen“, sagte Thomas Rechentin vom sächsischen Innenministerium. Mit dem Warntag sollen die Bürgerinnen und Bürger in Sachsen für die unterschiedlichen Systeme und die Bedeutung einer Gefahrenwarnung sensibilisiert werden. BBK-Präsident Christoph Unger sagte: „Es hat sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes und bereits Erlerntes zurückgreifen.“ Deshalb sei es sinnvoll, so etwas einzuüben.

Gibt es eine allgemeine Empfehlung, wie man sich im Ernstfall verhalten soll?

Das BBK sagt dazu: „Mit jeder Warnung erhalten Sie in der Regel Informationen zur Gefahr und Empfehlungen, was Sie zu Ihrem Schutz tun können. Generell gilt: Bewahren Sie Ruhe, informieren Sie sich über die Medien und unterrichten Sie gegebenenfalls Ihre Nachbarn.“

(th/dpa)