Die Katalog-Kirche von Niesky
In Niesky steht eine Kirche, die in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist: die Holzkirche St. Josef. Das Gebäude wurde 1935 errichtet und gilt als Prototyp einer Kirche, die damals tatsächlich über einen Katalog bestellt werden konnte. Dahinter stand die Idee, ein Gotteshaus in moderner Holzbauweise zu entwickeln, das sich relativ schnell und kostengünstig an verschiedenen Orten errichten ließ.
Heute erinnert im Museum Niesky auch ein Skelettmodell im Maßstab 1:10 an diese besondere Bauweise. Es zeigt die Konstruktion der Kirche im Detail. Besucher könne also erkennen, wie das Gebäude aufgebaut ist und warum es architektonisch so bemerkenswert ist.
Besonders auffällig sind die über zehn Meter hohen, gebogenen Leimholzbinder im Inneren. Sie tragen die gesamte Gebäudehülle und geben dem Raum seine charakteristische Form. Solche Konstruktionen wurden ursprünglich vor allem bei großen, stützenlosen Industriehallen oder Bahnhofshallen eingesetzt. In Niesky fand diese Technik erstmals auch beim Bau einer Kirche Verwendung.
Kirchen dieses Typs wurden unter anderem in Schlesien gebaut, darunter mehrere in Breslau. Viele dieser Gebäude sind heute stark verändert oder in einem schlechten Zustand. Umso bedeutender ist der Prototyp in Niesky, der als das am besten erhaltene Beispiel gilt. Für die katholischen Einwohner der Stadt dient die Kirche bis heute als Gotteshaus.
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