Dreher bestreitet Mord an Görlitzerin
Ein arbeitsloser Dreher hat den Mord an einer Görlitzerin bestritten. Es sei ihm nur um das Geld der Rentnerin gegangen, erklärte der 44-jährige Pole heute zu Prozessbeginn am Landgericht Görlitz. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Angeklagte die 90-Jährige in ihrer Wohnung mit sieben Lagen Panzerklebeband und einem Kissen erstickt hat. "Ich war in Panik"Der Angeklagte war mit den Schlüsseln der Rentnerin, die er ihr zuvor gestohlen hatte, in ihre Wohnung in Görlitz-Königshufen eingedrungen. Er durchsuchte Schränke und Schübe im Wohnzimmer. Die gehbehinderte Frau wachte auf und fing an zu schreien. Daraufhin klebte ihr der Angeklagte mit Panzerband den Mund zu. Wenig später will er es angeblich wieder abgerissen, ihr mit einem Kissen das Gesicht abgewischt und sie wieder aufs Bett gelegt haben. Sie habe noch geatmet. Er sei in Panik gewesen. Mit ihrer EC-Karte wollte er Geld abheben, die Pin-Nummer war aber falsch. Daraufhin kehrte er wieder in die Wohnung der Rentnerin zurück, um angeblich die Karte zurückzubringen. Den Tatort ließ er aufgeräumt zurück. Wenige Stunden später überfiel er die nächste Rentnerin. Rentnerinnen auf Friedhöfen ausgeraubt
Neben dem Raubmord werden dem in Görlitz lebenden Polen weitere Überfälle und Diebstähle vorgeworfen. Er lauerte älteren, meist gehbehinderten Frauen mit Rollatoren auf – vor allem auf Friedhöfen. So sprühte er einer Rentnerin in Zittau Pfefferspray ins Gesicht. Die 86-Jährige stürzte und verletzte sich. Weitere Überfälle soll er in Weißwasser, Görlitz und Löbau begangen haben. Pistole und Elektroschocker im Auto
Eine 77-jährige Frau, der er auf einem Friedhof in Bautzen die Handtasche aus dem Rollator geraubt hatte, konnte sich Kennzeichen-Fragmente seines Fluchtautos merken. Eine Anwohnerin kam der Rentnerin zur Hilfe und rief die Polizei. Eine Streife stoppte den Wagen auf der B6 bei Hochkirch und nahm den Fahrer fest. Bei sich hatte er eine griffbereite Pistole, einen Elektroschocker und den Ausweis der überfallenen Frau. Geld für kranken Sohn gebraucht
Das Geld habe er dringend gebraucht, um die Krankenhausbehandlung seines fünfjährigen Sohnes zu bezahlen, behauptete der Angeklagte. Der Prozess wird heute Nachmittag mit der Zeugenvernehmung fortgesetzt. Fünf Verhandlungstage sind geplant.