Drei Lausitzer Wölfe noch auf Sender
„Hans“, „Peter“ und „Juli“ funken noch. „Lotta“ ist aber verstummt. Die mit einem Halsbandsender ausgestattete Lausitzer Wölfin wurde Ende März tot im Grenzgebiet zwischen dem Neustädter und Mulkwitzer Wolfsgebiet entdeckt. Der Kadaver wies massive Bissverletzungen auf. Darüber informierte heute die Fachstelle Wolf des Landesumweltamtes Sachsen.
„Lottas“ Schwester „Juli hat die Lausitz verlassen. Sie lebt gegenwärtig nahe des Truppenübungsplatzes Hintersee in Mecklenburg-Vorpommern. Dagegen befindet sich Sender-Wolf “Peter„ noch in Sachsen. Aus den Daten geht hervor, dass er der Vaterwolf des neuen Mulkwitzer Rudels ist. “Hans„ hatte einen Tag vor Silvester für Aufsehen gesorgt. Er verirrte sich in einen Hinterhof in Görlitz und wurde eingefangen. Das war die Chance, auch ihn auf den Sender zu nehmen. Er bekam ein Halsband. Zuletzt gemeldet hat er sich aus dem Gebiet des Daubaner Rudels.
Die mittels Telemetrie gewonnenen Daten sollen dabei helfen, bessere Informationen über das Leben von Wölfen in der sächsischen Kulturlandschaft zu erhalten. Die so gewonnenen Daten sind eine wertvolle Ergänzung zum herkömmlichen Wolfs-Monitoring, besonders in einer Region wie der sächsischen Oberlausitz, in der der Wolfsbestand in den letzten Jahren nicht nur gewachsen ist, sondern sich auch weiter verdichtet hat.
Steckbriefe der Sender-Wölfe
FT11 – “Lotta„
Als erwachsene Tochter des Neustädter Rudels zog “Lotta„ 2019 im elterlichen Territorium
neben ihrer Mutter selber Welpen auf. Der Vater ihrer Welpen ist unbekannter Herkunft. Zum
Zeitpunkt ihres Todes war “Lotta„ wieder im frühen Stadium trächtig. In den sieben Monaten,
in denen ihr Sender Daten übermittelte, nutzte die Wölfin ein Gebiet von 205 km² (MCP100*).
Im Februar bewegte sie sich ausschließlich im nördlichen Teil des Neustädter Territoriums und
verkleinerte so ihren Bewegungsradius auf 85 km² (MCP100*). Aktuell ist unklar, ob es zu
einer Verschiebung des Neustädter Rudels gekommen ist oder zu einer Aufteilung des
Territoriums zwischen Mutter und Tochter. Am 24. März wurde FT11 tot aufgefunden. Sie starb
an den Folgen schwerer Bissverletzungen, die von Revierstreitigkeiten stammen.
FT12 – “Juli„
Nach Exkursionen in fast alle Himmelsrichtungen kehrte die Fähe zunächst stets wieder in das
elterliche Neustädter Territorium zurück. Ende Januar unternahm sie ihre erste größere Reise,
die sie bis an die Stadtgrenze von Berlin brachte. Der A15 nach Norden folgend querte sie auf
Höhe Schönefelder Kreuz erst die A10 und später die Stadtautobahn A117, um dann in einer
aus Wolfssicht Sackgasse am Rande der Großstadt zu landen. Vier Tage und Nächte harrte
die Wölfin in einem Waldstück am südöstlichen Rand von Berlin aus, bevor sie dieses wieder
zügig nach Süden verließ. Innerhalb weniger Tage kehrte sie nach Süd-Brandenburg zurück.
Mitte Februar machte sie noch einen letzten kurzen Abstecher in ihr Geburtsterritorium, bevor
sie sich erneut auf Abwanderung nach Norden begab. Dieses Mal machte sie einen weiten
Bogen um Berlin. Nachdem sie einige Tage in Polen auf Höhe von Guben verbrachte, lief sie,
wieder auf deutschem Boden, zügig nach Norden. Sie durchquerte die Schorfheide
(Brandenburg) sowie den Truppenübungsplatz Hintersee (Mecklenburg-Vorpommern) und
folgte dem Küstenverlauf der Ostsee (Stettiner Haff, Strelasund, Baarther Haff) immer weiter
nach Nord-Westen. Anfang März endete ihre Reise zunächst am Saaler Bodden zwischen
Rostock und Stralsund. Anschließend lief sie wieder ein Stück zurück nach Süden. Auf dieser
Reise hat die junge Wölfin innerhalb von vier Wochen insgesamt eine Strecke von mindestens
784 km zurückgelegt und dabei mindestens fünfmal Autobahnen überquert.
MT7 – “Hans„
Seit seiner Besenderung hält sich MT7 überwiegend in seinem elterlichen Territorium auf.
Nach gelegentlichen Ausflügen, vor allem nach Osten bis nach Polen, kehrt er immer wieder
nach Hause zurück. Er wurde dort wiederholt mit seinen Eltern und Geschwistern fotografiert.
Einen Abstecher in die Stadt wie Ende Dezember machte er nicht wieder.
Anfang März war “Hans„ auf einer seiner Exkursionen, wie sich später herausstellte, in einen
Verkehrsunfall auf der S100 zwischen Kamenz und Thonberg (Landkreis Bautzen) verwickelt.
Die Polizei meldete am Morgen des 2. März einen Unfall mit einem PKW, bei dem der
angefahrene Wolf weggelaufen war. Eine Nachsuche zeigte, dass das Tier über weite
Strecken galoppiert und scheinbar nicht schwer verletzt worden war. Die Lokationen seines
Senders verorteten MT7 an jenem Tag zwar in dieser Region, jedoch konnte anhand der
Senderdaten nicht sicher gesagt werden, ob es sich bei dem Unfalltier wirklich um MT7
handelte. Die genetische Untersuchung von vor Ort sichergestellten Proben bestätigten später
den Verdacht.
MCP100* = die durch die Verbindung der äußeren Lokationen entstandene Fläche (Minimum
Convex Polygon-Methode)