Drogen in Bautzen im Zehn-Minuten-Takt verkauft

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Sie betrieben in Bautzen und Umgebung einen schwunghaften Drogenhandel. Dutzende Konsumenten bestellten und erhielten  ihren Stoff.  Heute erhielten die drei Angeklagten - zwei Iraker und ein Syrer im Alter von 22 und 24 Jahren - die Quittung: Das Amtsgericht Bautzen verurteilte sie zu Freiheitsstrafen von 16 Monaten, eineinhalb und zwei Jahren. Weil sie geständig waren, wurden die Strafen zur Bewährung ausgesetzt.

"Sie hatten die Drogen gewinnbringend verkauft, um sich so dauerhaft eine Einnahmequelle beträchtlichen Ausmaßes zu verschaffen", so Staatsanwalt Christopher Gerhardi. Er brauchte über eine Stunde, um alle Anklagepunkte zu verlesen.

Einer der  Angeklagten – ein 24-jähriger Iraker – hatte innerhalb eines Monats  fast 40 Mal Marihuana an Konsumenten in Bautzen, Wilthen, Bischofswerda und Demitz-Thumitz verkauft. Dabei kassierte er einen Aufschlag von fünf bis sechs Euro pro Gramm. Die Kunden riefen bei ihm an oder schickten eine SMS.  Mitunter im Fünf- bzw. Zehn-Minutentakt vertickte der Amazon-Kurierfahrer den Stoff – meistens auf der Straße, für Konsumenten im Umland brachte er die Drogen mit dem Auto.  Das Marihuana besorgten sich die Angeklagten aus Berlin und Dresden – insgesamt vier Kilogramm Marihuana. Als sie von der letzten Fahrt nach Bautzen zurückgekehrt waren, klickten die Handschellen.

Die Angeklagten räumten die Taten und bereuten. "Ich habe Mist gebaut. Damit habe ich auch meiner Familie geschadet", so einer der Männer. Alle Drei waren drogenabhängig. Den durch den Drogenverkauf erzielten Gewinn teilten sie sich.

Die Angeklagten wurden auch zum Einzug des sogenannten Wertersatzes verurteilt.   Die Justiz fordert von ihnen insgesamt 35.000 Euro.

Was heißt das?

 Wertersatz wird eingezogen, wenn – wie in diesem Fall – Geld aus dem Verkauf der Drogen nicht gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft kann pfänden und hat mehr Befugnisse als ein Gerichtsvollzieher im Auftrag eines privaten Gläubigers. Beispiel: Hat der Verurteilte einen teuren Fernseher, kann ihm das Gerät weggenommen werden. Er bekommt dafür ein minderwertiges Gerät. Hochwertige Fahrräder, aber z.B. auch Spielkonsolen oder Designermöbel können eingezogen werden. Sollte der Schuldner ein schon viele Jahre altes Auto besitzen, könnte er Glück haben, dass er es behalten darf. Die Vollstreckungsabteilungen der Staatsanwaltschaften sehen aus Gründen der Verwertungs- bzw. Entsorgungskosten oft davon ab, so ein Fahrzeug einzuziehen. Der Verurteilte ist nicht nach ein paar Jahren aus dem Schneider. Der Titel - also der Einzug von Wertersatz - gilt 30 Jahre.  Eine Flucht in die Privatinsolvenz ist nicht möglich.

Das Urteil wird in einer Woche rechtskräftig, wenn nicht bis dahin eine der beiden Prozessparteien Rechtsmittel einlegen.