Ein Wesen mit rotglühenden Augen, so groß wie ein Kalb
Einmal im Jahr, in der Heiligen Nacht, soll er durch die Altstadt von Görlitz streifen. Wer sich ihm in den Weg stellt, um den ist es geschehen. Seit Jahrhunderten erzählt man sich in Görlitz die Sage vom Dreibeinigen Hund.
Stadtwächter Gunnar Buchwald kennt die Überlieferung:
Dieses Wesen war so groß wie ein Kalb, hatte schwarzes zottiges Fell, rotglühende Augen und ähnelte einem Hund auf drei Beinen. Immer ging er den gleichen Weg, die Route im Wesentlichen aus folgender Strecke besteht: Am Frauentor kam er in die dunkle Stadt, schlich dann durch die Gassen der Stadt bis hierher an diese Stelle, schließlich verschwand er in einem Wasserloch, welches sich in der Nähe des Nikolaiturmes in der Stadtmauer befand.
Die Torwächter gaben dem schaurigen Wesen stets freies Geleit. Sie ließen eine Seitenpforte offen.
Bis eines Jahres ein junger Knecht da oben seinen Dienst tat. Er wollte Eindruck schinden, vielleicht bei seiner Liebsten, und so verschloss er das kleine Seitenportal. Den anderen Wächtern war es egal, aber der dreibeinige Hund wurde sehr ungehalten darüber, dass ihm der freie Zugang zu Görlitz in dieser Nacht verwehrt blieb. So setzte er über das Tor hinweg, ließ seine Augen glühen und ließ seine Wut auch noch den jungen Wachmann spüren. Ein Knurren, Fauchen und Schnaufen! Die anderen Wächter kamen ganz schnell angelaufen, aber der dreibeinige Hund, der war schon weg. Und den jungen Wachmann, den konnte man auch nicht befragen, denn der war bewusstlos und binnen drei Wochen konnte er gar nichts mehr sagen.
Er war tot. Seit dieser Zeit hat sich niemand mehr mit dem dreibeinigen Hund von Görlitz angelegt.
Eher war da schon so mancher Bürger erregt, wenn er in den einen oder anderen Haufen getreten, aber da kann der dreibeinige Hund bestimmt nichts dafür. Eher sind Frauchen und Herrchen gebeten, besser aufzupassen, wo und wie sie ihre Vierbeiner in dieser Stadt austreten lassen.
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