Eine Autobahn, die nie gebaut wurde
Sie sollte durch die östliche Lausitz, in der Neiße-Region, von Nord nach Süd führen. Eine Autobahn, aus Forst kommend bis nach Reichenberg in Böhmen.
Nach der Annexion der sudetendeutschen Randgebiete im Oktober 1938 durch die Nazis sollte die spätere, sogenannte sudetendeutsche Gauhauptstadt Reichenberg – das heutige Liberec – an das Autobahnnetz angeschlossen werden.
Pläne und Karten wurden erstellt, Schreiben verfasst.
Jasper von Richthofen, Direktor der Görlitzer Sammlungen und renommierter Archäologe, rollt eine Karte von damals aus. Die rote Linie markiert die vorgesehene Trasse.
Noch genauer ist der Verlauf in einer Karte eingezeichnet, die ich in meinem Bestand gefunden habe. Die Kreise sollen die Abfahrten symbolisieren.
Heute, fast 90 Jahre später, ist der Trassenverlauf bei genauem Hinschauen fragmentarisch noch zu erkennen. Im Geoportal Sachsen werden beim nahe Heranzoomen rechts und links kleine Punkte sichtbar und längliche Erhebungen, kleine Erdhügel und Wälle.
Von Richthofen zeigt auf das Niederspreer Teichgebiet ganz im Norden des Landkreises Görlitz, durch das auch ein Radweg führt. Er hat nach diesen Spuren gesucht und sie auch gefunden.
Von Stettin sollte die Autobahn über Frankfurt/ Oder und Forst, an Niesky vorbei führen, weiter durch Königshain, östlich an Reichenbach und Bernstadt auf dem Eigen vorbei, nach Zittau und von dort bis Reichenberg.
Südlich von Wiesa, da wo heute die A 4 in die Königshainer Berge eintaucht, hätte sie die A 4 gekreuzt, die es dort aber zu diesem Zeitpunkt längst noch nicht gab. Die A 4 endete damals in Weißenberg.
Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Arbeiten eingestellt.
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Gefördert durch die Sächsische Landesmedienanstalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.



