„Eine Riesenchance für Alstom in Görlitz“
Die Bundesregierung will sich für den Erhalt der Arbeitsplätze beim Schienenfahrzeughersteller Alstom einsetzen. „Wir sind im Gespräch mit der Geschäftsführung und wollen eine Perspektive für die deutschen Standorte ausloten“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Michael Kellner (Bündnis90/Grüne), am Abend nach einem Besuch im Alstomwerk Görlitz. In Görlitz will der Konzern rund 400 Stellen streichen. Das ist fast jeder zweite Arbeitsplatz. In Deutschland plant der französische Schienenfahrzeugkonzern einen Abbau von insgesamt 1.200 Stellen.
„Die Ampel hat sich vorgenommen, den Schienenverkehr zu stärken und sich dafür einzusetzen, dass die Wertschöpfung in Deutschland, in der Region bleibt“, sagte Kellner. Für die Verkehrswende würden mehr Kapazitäten gebraucht, also auch mehr Züge. Kellner wurde bei seinem dreistündigen Besuch im Görlitzer Werk vom Gesamtbetriebsratsvorsitzenden René Straube begleitet. Er sieht den Standort mit seiner Rohbaukompetenz als durchaus profitabel. Davon könne Alstom in einem wachsenden Markt partizipieren. „Das ist eine Riesenchance für den Konzern“. Es müsste aber auch investiert werden.
Morgen trifft sich der Gesamtbetriebsrat in Berlin mit der deutschen Alstom-Geschäftsführung. Die Arbeitnehmervertreter erwarten konkrete Aussagen zu einer Zukunftsstrategie, aber auch Fristen und Bereiche, wo Stellen abgebaut werden sollen.
Hintergrund:
Knapp ein Jahr nach der Übernahme durch die Franzosen sieht es mau aus in den Auftragsbüchern. Gegenwärtig werden in Görlitz kleinere Straßenbahn-Aufträge abgearbeitet, so etwa für Dresden. „Brot für 30 Kollegen“, so Betriebsratsvorsitzender René Straube. Wöchentlich verlässt ein Wagenkasten für den ICE-4 das Werk. Dieser Auftrag, den sich Görlitz mit Breslau (Wroclaw) teilt, läuft Ende 2023 aus. Aus einem Großauftrag der Deutschen Bahn werden noch 43 Doppelstockfahrzeuge gebaut. Eine letzte Option über 100 Wagen ist offen. Straube geht aber nicht davon aus, dass sie gezogen wird.
Dagegen läuft die Produktion an den Alstom-Standorten in Breslau (Wroclaw), Kattowitz (Katowice)und Böhmisch Leipa (Ceska Lipa) auf Touren. Die Kollegen in den beiden Nachbarländern haben gut zu tun. Das gönnt ihnen Straube auch. Doch steuerfinanzierte Aufträge aus Deutschland müssten auch in Deutschland abgearbeitet werden und nicht in Werke ins Ausland gehen. Alstom müsse endlich die Karten auf den Tisch legen.