++ EIL ++

Freispruch im Prozess zu Brandserie in Tätzschwitz

Zuletzt aktualisiert:

Vor genau zwei Jahren hatte eine Brandserie in Tätzschwitz für Aufregung gesorgt. Innerhalb weniger Wochen wurde sechsmal gezündelt. Scheunen brannten und ein Bagger. Der 500-Seelen-Ort am Geierswalder See zwischen Hoyerswerda und Senftenberg war quasi im Ausnahmezustand. Angst ging um und die bange Frage: Wo legt er als nächstes Feuer? Einwohner bezogen nachts Posten. Die Polizei fuhr Streife.  Unmittelbar nach einem erneuten Brand am 8. Juli  in einem bewohnten Gehöft an der Koschener Straße wurde ein damals 30-jähriger Mann festgenommen – er hatte sich in der Nähe i in einem Hühnerstall versteckt.

Heute fiel das Urteil: Freispruch für den Angeklagten. Die Richter sahen es nicht als erwiesen an, dass der 32-Jährige die drei Brände gelegt, also einen Bagger  und zwei Scheunen in Tätzschwitz angezündet haben soll. Es gab zwar Bilder einer Wildkamera, die eine Person zeigen, aber unscharf, die Gesichtspartien unkenntlich. Auch die Auswertung von Spuren, die mit Hilfe von Spürhunden gesammelt wurden, überzeugten die Kammer nicht. Der Vorsitzende Richter Jörg Toschek wörtlich: „Vernünftige Zweifel dürfen nicht aufkommen, kommen sie doch auf, dann ist der Angeklagte freizusprechen“.

Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig. Gut möglich, dass die Staatsanwaltschaft in Revision geht. Sie hatte sechs Jahr Gefängnis gefordert für die beiden Scheunenbrände. Für Staatsanwalt Christopher Gerhardi waren die Indizien ausreichend. Allerdings beantragte auch er Freispruch im Fall des angezündeten Baggers auf der Motocrossstrecke in Tätzschwitz. Den Freispruch wollte der Staatsanwalt uns gegenüber nicht kommentieren.Er lehnte eine Stellungnahme ab.

Der Angeklagte lebt inzwischen an einem anderen Ort, kommt ab und an seine Mutter besuchen. Er fühlt sich gebrandmarkt. Schon vor zehn Jahren wurde er verdächtigt, Feuer gelegt zu haben, und auch von manch einem im Dorf vorverurteilt. Richter Toschek: „Der Angeklagte gilt im Ort als Brandstifter“. Nach seiner Festnahme im Juli vergangenen Jahres saß er fünf Monate in Untersuchungshaft.  Dafür soll er entschädigt werden, so das Gericht.

Nach dem Freispruch heute  möchte er nun endlich wieder zurück in sein normales  Leben. Ob sein Wunsch in Tätzschwitz in Erfüllung gehen wird, ist fraglich.

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit den Verteidigern, Arndt Holzhauser und Robert Ziolkowski