Geheimer Code in Görlitzer Kathedrale St. Jakobus

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Geheime Zeichen und Chiffren, rätselhafte Botschaften, verschlüsselte Zahlen - sie sind in manchen Kirchen zu finden. Generationen haben versucht, sie zu entschlüsseln und zu deuten.  Auf so ein Zeichen werden Besucher der St. Jakobus Kathedrale in Görlitz stoßen, wenn die Innensanierung abgeschlossen ist.

Die Arbeiten haben vor einem Jahr begonnen. Das Innere des Kirchenschiffs ist mit einem Gerüst ausgefüllt. Auf sieben Ebenen wird gearbeitet. Es sind derzeit zwischen zehn und 15 Handwerker. Sie schwingen vorsichtig den Pinsel, reinigen die farbigen Mosaikfenster, ziehen Elektroleitungen, bessern das Mauerwerk aus. Mehr als die Hälfte der Arbeiten ist geschafft. Derzeit laufen die Planungen für die Möblierung.  "Für die Sakristei, den Chorumgang, die Kinderkirche, aber auch für die Emporen-Ebene", zählt Bauleiter Thomas Backhaus auf. Restauratoren haben die Gewölbemalerei im Chorraum und den beiden Seitenkapellen rekonstruiert.

Verborgenes wieder zum Leuchten bringen

Es ist eine akribische Arbeit, die alle Handwerker fordert. Aber es gehe nicht nur um Steine, sondern vor allem um ihre Botschaft. "Die Tradition der vorherigen Generationen zum Leuchten bringen", so drückt es Generalvikar Alfred Hoffmann aus. "Wir bringen vor allem das Alte im Altarraum, was damals übermalt wurde, wieder zum Leuchten. Wir wollen gleichfalls schauen, was heute für die Menschen wichtig ist." Der Jakobsweg soll sich in der Kirche wiederfinden.  Er führt durch Görlitz. Namenspatron für die Kathedrale ist der Heilige Jakobus.

Ein Ritterschlag

Künstler Helge Warme aus Brieselang bei Berlin bekam den Auftrag dafür. Er hat nicht gezögert. Für ihn, so sagt er stolz, ist es "ein Ritterschlag".  Wir treffen ihn auf der obersten, der siebten Gerüstebene. Es ist der höchste Punkt im Kirchenschiff. Unter der Gewölbedecke, 16 Meter über dem Zelebrationsaltar, steht er leicht gebeugt über einem Tapeziertisch, vor ihm eine Skizze, für die Gewölbedecke, darauf kleine hellblau-weiße Raster -   das Muster von QR-Codes - durchzogen von Linien, die den Jakobsweg stilisieren sollen.

Geheimnis wird am ersten Advent gelüftet

"Von unten wirkt es wie ein gemalter Himmel. In der Mitte werde ich noch einen großflächigen QR-Code anbringen, mit 2,60 Meter mal 2,60 Meter Kantenlänge. Er wird von unten deutlich zu sehen sein." Mehr verrät der Meister aber noch nicht. Die Botschaft hinter dem QR-Code? Auf die Antwort müssen wir bis zum ersten Advent warten. Zur Wiedereröffnung der Kirche am 28. November soll das Geheimnis gelüftet werden.

Die Arbeiten liegen fast im Zeitplan. Der Kostenrahmen von 3,7 Millionen wurde bislang eingehalten. Der Generalvikar freut sich über die vielen Spenden. Über 80.000 Euro sind es.

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Reporter Knut-Michael Kunoth