Görlitz erwägt Abriss von Litfaßsäulen

Zuletzt aktualisiert:

Vielen Litfaßsäulen in Görlitz könnte bald die letzte Stunde schlagen. Die Stadtverwaltung denkt über den Abriss nach. Sie würden nicht mehr benötigt. Ihr Unterhalt sei zu teuer, sagte Bürgermeister Michael Wieler. In Görlitz stehen rund 50 Litfaßsäule. Einige werden von den Bürgerräten genutzt. 

Noch hat die Stadtverwaltung nicht das letzte Wort gesprochen. Und wenn Rückbau, dann sollen nicht alle Litfaßsäulen verschwinden. Sie seien ja auch ein Stück Stadtkulturgut, so Wieler.

Woher stammt der Name der Litfaßsäule?

Im Jahr 1855 erfand der Berliner Drucker, Ernst Litfaß, die nach ihm benannte Säule für „Annoncen“. Der Berliner ärgerte sich, dass an Zäunen, Bäumen und Wänden Plakate klebten.
Allerdings gab es solche Werbesäulen schon früher: Der Brite George Harris ließ sich 1824 die achteckige Harrissäule patentieren.

Am 05.12.1855 erteilte der Berliner Polizeipräsident die erste Genehmigung für Litfaß´ „Annoncier-Säulen“. Er erhielt von der Stadt Berlin 10-jähriges Monopol für die Aufstellung seiner Säulen - unter der Auflage, auch die neuesten Nachrichten zu publizieren.

In dem Jahr wurden die ersten 100 Säulen aufgestellt und dem Erfinder zur Ehren nach ihm benannt.
Werbekunden erkannten schnell die Vorteile des neuen Werbemediums: Sie konnten sich darauf verlassen, dass ihre Plakate auch wirklich für die gesamte gemietete Zeit ohne Überklebungen zu sehen sein würden. Denn von staatlicher Seite war eine Zensur der Inhalte möglich.

Auf deutschen Straßen stehen immer noch mehr als 50.000 Litfaßsäulen. Sie sind nicht mehr wie früher aus Holz, sondern meist aus Beton oder Gusseisen gefertigt.

Die Litfaßsäule im Film: "Moritz in der Litfaßsäule"

Moritz Zack, der neunjährige Junge, bringt seine Umwelt mit seiner Langsamkeit in Verzweiflung: den Vater, der ein kühler Rechner ist, die Mutter, zwischen Arbeit, Haushalt und Fernstudium immer in Eile, den Mathelehrer, weil er wegen Moritz nie den Plan schafft. Seine drei Schwestern nennen ihn Trödelhannes.

Dabei ist Moritz nur ein Junge, der über alles gründlich nachdenkt und den selbst die alltäglichsten Gegenstände zur Fantasie anregen. Von allen missverstanden, flieht er eines Tages und versteckt sich in der Litfaßsäule am Marktplatz. Dort kampiert er ein paar Tage, lernt eine sprechende Katze kennen, die ihn über das Leben aufklärt, ein Mädchen vom Zirkus und den Straßenfeger, der sein Freund wird. Er macht dem Jungen begreiflich, dass Weglaufen nicht zur Lösung seiner Probleme führt. Während Moritz von allen gesucht wird, entschließt er sich freiwillig, zurückzugehen und sich durchzuboxen.

Zum Filmtrailer

Regie: Rolf Losansky, nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Christa Kozik
Quelle: DEFA-Stiftung

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth