Görlitz punktet bei Kreativen, hat aber auch Mankos
Görlitz kann als familienfreundliche Stadt mit viel Grün und preiswertem Wohnen punkten, hat aber auch Nachholebedarf. Das geht aus einer Befragung von Teilnehmern des Projekts „Stadt auf Probe – Wohnen und Arbeiten in Görlitz“ hervor. Die Ergebnisse des Interdisziplinären Zentrums für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau wurden heute vorgestellt.
Mehr als 60 Selbstständige und Freischaffende hatten für vier Wochen freies Wohnen und Arbeiten in Görlitz. Ihnen wurden Büros, Werkstatt- und Atelierräume zur Verfügung gestellt. Gut die Hälfte der Befragten könnte sich einen Umzug an die Neiße vorstellen. Mindestens fünf Teilnehmer haben sich schon entschieden.
Positiv wurden niedrige Mieten, familienfreundliche Freizeitangebote und kurze Wege in der Stadt gesehen – kritisch dagegen Wohnungsausstattung, zu wenig Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt und eine schlechte Zuganbindung an Großstädte. Fazit: Görlitz sollte nachbessern, seine Potentiale besser ausschöpfen und offensiv als Standort für die Kultur- und Kreativwirtschaft werben.
Kreative Köpfe aus dem In- und Ausland hatten sich 2018 gemeldet. Nach einem Aufruf des Leibniz-Instituts für Raumentwicklung gingen rund 150 Bewerbungen ein, nicht nur aus Deutschland, z.B. auch aus Polen, Tschechien, Griechenland, Großbritannien und den USA. Darunter waren Musiker, Maler, Bildhauer, Drehbuchautoren und Fotografen. Die Ausgewählten bezogen zwischen Januar 2019 und März 2020 für je vier Wochen Quartier in Görlitz.
Mit dem Projekt „Stadt auf Probe – Wohnen und Arbeiten in Görlitz“ will das Leibniz-Institut erforschen, wie mittlere und kleine Städte abseits von Ballungsgebieten belebt werden können.