• Gemeinsam für eine klimaneutrale Europastadt: Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (l.) und der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz. Foto: kmk

    Gemeinsam für eine klimaneutrale Europastadt: Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (l.) und der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz. Foto: kmk

Görlitz und Zgorzelec starten europaweit einmaliges Klimaprojekt

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Wer im Winter,  bei Minusgraden und Hochdruckwetter  nach Görlitz kommt, dem steigt er in die Nase, dieser typische Geruch von Kohlefeuerung. Viele Haushalte in der Nachbarstadt Zgorzelec heizen mit Briketts, einige auch noch in Görlitz. Das Heizkraftwerk in Zgorzelec verschlingt ebenfalls Kohle. Das soll sich bald ändern. Görlitz und Zgorzelec wollen auf breiter Front den grünen Daumen zeigen und damit Primus in Europa werden.

Görlitz und Zgorzelec wollen bis 2030 eine gemeinsame klimaneutrale Fernwärmeversorgung aufbauen. Die beiden Netze sollen verbunden werden. Eine entsprechende Absichtserklärung haben heute die  Bürgermeister Ursu und Gronicz unterzeichnet.  Die beiden Städte wollen das Ziel in zwei großen Schritten erreichen.

Fernwärmeleitungvon Görlitz nach Zgorzelec

So soll bis 2022 das Kohle-Heizwerk in Zgorzelec zunächst auf Erdgas  und bis 2030 auf Biomasse umgestellt werden.   In der zweiten Phase ab 2023 ist der Bau einer zweieinhalb Kilometer langen Fernwärmeleitung von Görlitz-Königshufen nach Zgorzelec geplant. Sie soll  entweder über oder unter der Neiße verlaufen, sagte uns der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz. 

57.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen

In der Endausbaustufe wird der Stadtteil Königshufen zum überwiegenden Teil seine Fernwärme aus Zgorzelec bekommen. Weiterhin  ist geplant, die Kraftwerke in den Görlitzer Stadtteilen Weinhübel und Rauschwalde umzurüsten.  Ab 2030 könnten so 57.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Görlitz und Zgorzelec wären klimaneutral.

Pilotprojekt in Europa

So ein grenzüberschreitendes Projekt gibt es bislang nicht in Europa. Es habe Vorbildcharakter, so Oberbürgermeister Octavian Ursu: "Das Projekt ist einmalig. Wir wollen es unbedingt beiderseits der Neiße umsetzen. Das wird uns attraktiver machen". Der Zgorzelecer Bürgermeister   erhofft sich wie sein Görlitzer Amtskollege auch eine Verbesserung der Luftqualität. Denn  in Zgorzelec wird noch viel mit Kohle geheizt.

Klimaneutral nicht zum Spartarif: 60 Millionen Euro

 Sachsen unterstützt das Klimaprojekt.  Umweltminister Wolfram Günther: "Wir suchen nach einem passenden Förderrahmen für die Umsetzung des Pilotvorhabens". Den C02-Ausstieg gibt es nicht zum Spartarif. Die Kosten für den Weg zur klimaneutralen Europastadt Görlitz-Zgorzelec werden auf 60 Millionen Euro geschätzt.

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Reporter Knut-Michael Kunoth