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Görlitzer Arzt prangert an: „Ich will Leben retten und werde bestraft!“

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Der Görlitzer Arzt Vratislav Prejzek versteht die Welt nicht mehr. Er fühlt sich zu Unrecht bestraft vom Ordnungsamt der Stadt. Und nun zieht er die Konsequenz: Der Mediziner schließt seine Praxis. Seine 1.800 Patienten müssen sich einen anderen Hausarzt suchen.

Prejzek wurde im Januar zu einem Notfall gerufen. Der diensthabende Notarzt war bei einem anderen Einsatz. Prejzek setzte sich ins Auto, gab Gas und wurde geblitzt. „Mit reichlich 80 in einer Tempo-30-Zone“, so der Tscheche, der seit neun Jahren in Görlitz-Königshufen praktiziert. Es dauerte nicht lange, da lag der Bußgeldbescheid in der Post. Der Mediziner soll 300 Euro zahlen, zwei Strafpunkte bekommen und seinen Führerschein für zwei Monate abgeben. „Eine große Frechheit“, schimpft der Doktor. Er findet das Vorgehen des Ordnungsamtes ungerecht. Der Ärztliche Rettungsdienstleiter wandte sich an die Behörde und bestätigte, dass Prejzek im Notarzteinsatz war. Aber das Amt nahm seinen Bescheid nicht zurück.

Prejzek zieht nun die Konsequenzen. Er will im Herbst seine Praxis schließen und zurück nach Tschechien gehen. Seine drei Angestellten sollen die Kündigung erhalten. Seinen Patienten, die sich einen neuen Arzt suchen müssen, hat Prejzek geraten, sich mit ihren Fragen an das Ordnungsamt oder an den Stadtrat zu wenden. Der Arzt wörtlich: „Ich will Leben retten und werde bestraft!“.

Das Ordnungsamt hält an seinem Bußgeldbescheid fest. Bei dem Einsatz habe es sich nicht um einen Notfall gehandelt, der die Tempoüberschreitung gerechtfertigt hätte. Die Behörde beruft sich dabei auf Angaben der Rettungsleitstelle. 

Bürgermeister Michael Wieler: „Es lag keine besondere Dringlichkeit vor. Die Rettungsleitstelle hatte keine Sonderrechte angeordnet. Ein Notarzteinsatz bedeutet nicht, dass eine besondere Dringlichkeit im Sinne von Lebensgefahr bestehen muss“.  

Dem Arzt stehe es aber frei, Einspruch einzulegen. Möglicherweise habe er während des Einsatzes weitere Informationen erhalten, z. B. von Rettungswagen-Besatzung, dass doch eine höhere Dringlichkeit bestanden habe, so Wieler. „In diesem Fall würden wir unsere Entscheidung überdenken“, so der Bürgermeister.

Audio:

Dr. Vratislav Prejzek
Reporter Knut-Michael Kunoth
Bürgermeister Michael Wieler