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Großangriff auf den Wald im Kreis Görlitz

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Im Kreis Görlitz droht eine weitere Borkenkäfer-Invasion. Eine Million Festmeter Holz könnten in diesem Jahr befallen werden, so die Prognose. In den Bäumen stehe eine neue Generation bereit, die bei über 16 Grad losmarschiere, so die Chefin des Kreisforstamtes, Sylvia Knothe. Im vergangenen Jahr wurden 317.000 Festmeter Holz geschädigt. Das entspricht rund 1.000 Hektar und ist damit die derzeit größte Schadmenge in Sachsen. Knothe bezeichnete die Lage als sehr kritisch. Es sei die schlimmste Situation seit 1946.

Teufelskreislauf für Forstleute

Die Waldeigentümer befinden sich in einem Dilemma. Sie schaffen es nicht, das gesamte befallene Holz zu entsorgen und zu verkaufen. Die Holzpreise sind im Keller. Die Beräumung sei nicht mehr kostendeckend, so Knothe. Die Waldbesitzer brauchen mehr Unterstützung. Ein weiteres Problem: Für die großflächige Wiederaufforstung gibt es derzeit zu wenig Pflanzen.

Angst vor den nächsten Stürmen

Durch den großflächigen Holzeinschlag hat sich das Landschaftsbild im Kreis Görlitz verändert. So sind die kahlen Kuppen auf den Königshainer Bergen nicht mehr zu übersehen. Stark ausgedünnt wurden auch die Wälder am Kottmar und im Zittauer Gebirge. Nicht nur Fichten, auch Kiefern und Lärchen sind von der Fresslust der Käfer betroffen. Die Folge ist, dass die Bäume in den ausgedünnten Wäldern bei Stürmen nicht mehr so standhaft sind. Sie fallen um wie Streichhölzer.

„Fridays for Future“-Anhänger in den Wald

Um alle Verluste auszugleichen, wären rund 6,5 Millionen Bäume nötig, schätzt die Leiterin des Kreisforstamtes. Landrat Bernd Lange appellierte in diesem Zusammenhang an die Anhänger der „Fridays for Future“-Bewegung, bei der Rettung des Waldes mitzuhelfen. „Sie sollten, statt auf den Handys herumzuklopfen und Emissionen im Internet zu verursachen, sich in den Wald begeben und unter fachlicher Anleitung junge Bäume pflanzen“.

Und es werden auch noch Borkenkäfer-Zähler gesucht. Zwei Stellen hat das Landratsamt ausgeschrieben. Bevorzugt werden Bewerber mit abgeschlossenem Studium.

 

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Reporter Knut-Michael Kunoth