Großeinsatz nach Fenstersturz in Neukirch
Nach dem Fund von Chemikalien in einer Wohnung in Neukirch bei Bischofswerda sind noch viele Fragen offen. Der Mieter konnte bislang nicht vernommen werden. Er hatte sich gestern Abend aus dem vierten Stock gestürzt. Der 51-Jährige schwebt in Lebensgefahr. Er wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Uni-Klinik Dresden geflogen.
Die Polizei versuchte, in seine Wohnung zu kommen. Doch der Neukircher hatte seine Tür mit Kisten verbarrikadiert. So mussten die Beamten über eine Drehleiter durch ein geöffnetes Fenster klettern. In der Wohnung fanden sie sechs Flaschen mit flüssigen chemischen Substanzen. Ein Polizist, der offenbar damit in Kontakt kam, erlitt eine Hautrötung am Arm. Feuerwehrleute in Schutzanzügen stellten die Flüssigkeiten sicher.
Eine unmittelbare Gefahr sei davon nicht ausgegangen, so die Polizei. Spekulationen, es handele sich um Sprengstoff oder „Molotowcocktails“, wurden als unzutreffend zurückgewiesen. Trotzdem wurden die elf Mieter aus dem Eingang des Mehrfamilienhauses an der Parkstraße in Sicherheit gebracht. Sie konnten erst heute Morgen wieder zurück in ihre Wohnungen.
Fragen bleiben: Was wollte der Mann mit den Chemikalien? Wo hatte er sie her? Angeblich wurden Zettel mit Anleitungen gefunden. Wofür? Und: Was trieb den 51-Jährigen zu dieser Verzweiflungstat, zum Fenstersturz? Sollte er raus aus seinen Vier Wänden? Stand die Zwangsräumung bevor?
Der Vermieter der Wohnung – eine gemeindeeigene Gesellschaft – war zu keiner Stellungnahme bereit. Auch die Gemeinde nicht. Man dürfe nichts sagen, erklärte eine Vertreterin mit Verweis auf die Polizei.