Herrnhut hofft auf Anerkennung der UNESCO
Herrnhut als Ursprungsort der Evangelischen Brüdergemeine könnte 2024 durch einen transnationalen Antrag auf die Liste des Unesco-Welterbes kommen. „Die Zeichen stehen gut, zumal es keine rein deutsche Bewerbung ist“, sagte Bürgermeister Willem Riecke (parteilos) der Deutschen Presse-Agentur. Die ostsächsische Kleinstadt strebt die Anerkennung zusammen mit Bethlehem in Pennsylvania/USA und Gracehill in Nordirland an. Dabei geht es um die Erweiterung einer bestehenden Welterbestätte, die mit der Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine im dänischen Christiansfeld bereits seit 2015 existiert.
1722 hatten protestantische Glaubensflüchtlinge aus Mähren einen komplett neuen Ort unter des „Herrn Hut“ gegründet. Parallel angelegte Straßen und Häuser im schlichten barocken Stil sowie ein zentraler Platz mit dem Kirchsaal prägen bis heute das Bild der Stadt in der Oberlausitz. Das Herrnhuter Modell spiegele sich in Struktur, Raumplanung und Architektur von weltweit mehr als 30 Siedlungen wider, wie es aus dem sächsischen Landesamt für Denkmalpflege heißt.
Laut Bürgermeister Riecke ist der Erweiterungsantrag für die Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine unter Federführung der USA erarbeitet und eingereicht worden. Mit Spannung werde nun der Abschlussbericht des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos) erwartet, der im Januar oder Februar 2024 vorliegen soll. „Alle Vorarbeiten sind gut gelaufen“, sagte Riecke. Nach den positiven Rückmeldungen hofft er auf eine Beschlussempfehlung für die nächste Sitzung des Unesco-Welterbekomitees.
Sollte die Bewerbung Herrnhuts im internationalen Verbund erfolgreich sein, wäre es die dritte Welterbestätte in Sachsen, die es durch eine länderübergreifende Initiative auf die Unesco-Liste schafft. 2004 gelang dies für den Muskauer Park mit einem deutsch-polnischen Antrag, 2019 dann für die Montanregion Erzgebirge mit einem gemeinsamen Vorschlag von Deutschland und Tschechien. (dpa)