„Hey Alder! Das bin ich nicht.“ - Casino-Räuber in Görlitz vor Gericht
Er hatte angeblich eine schwere Kindheit, geriet an Drogen und verfiel dem Alkohol. Weil er Geld brauchte, überfiel er ein Casino in Görlitz-Königshufen. Polizisten mag er nicht sonderlich, da sieht er rot. Daraus macht er auch keinen Hehl. Seit heute wird dem 25-Jährigen am Landgericht Görlitz der Prozess gemacht.
„Das Video ist nicht echt“
„Hey Alder! Das bin ich nicht.“ Der Angeklagte tippt mit dem ausgestreckten Zeigefinger an seine Stirn. Er zeigt dem Richter den Vogel – er duzt ihn. Es läuft ein Video-Schnipsel. Bilder, aufgenommen von der Überwachungskamera über dem Casino-Tresen. Ein mit einem Geschirrtuch und einer Kapuze vermummter Mann läuft auf den Mitarbeiter zu – in der einen Hand hält er ein Taschenmesser, in der anderen eine Spielzeugpistole. Der Angestellte reagiert intuitiv, steht auf, drängt den Räuber aus dem Tresenbereich, dabei drückt er den Alarmknopf. Nicht mehr zu sehen ist, wie er den Täter zu Boden bringt. Gäste kommen zur Hilfe. Wenig später ist die Polizei da.
„Ich war auf Adrenalin“
Der Angeklagte rutscht unruhig hin und her. Er protestiert: Das Video sei nicht echt! Trotzdem gesteht er den Überfall. Er sei betrunken gewesen, habe eigentlich ein Fahrrad klauen wollen. Da sei ihm die blöde Idee gekommen. „Ich war auf Adrenalin“, so der arbeitslose Görlitzer. Ein Psychologe soll ein Gutachten erstellen. Er fragt den Angeklagten, was er denn vor der Tat getrunken habe. Antwort: Vier Flaschen Wein am Tag, außerdem zwei bis drei Bier und Likör.
„Ich hatte eine schlimme Kindheit“
Auf Polizisten ist der Angeklagte nicht gut zu sprechen. Er mag sie nicht. Es sind für ihn– das streitet er nicht ab – „Hurensöhne“ und „Drecksbullen“. Und er räumt auch ein, dass er versucht hat, Polizisten zu schlagen und zu treten, so bei einer Kontrolle auf dem Sechsstädteplatz in Görlitz. Dass er so reagiere, begründet er mit seiner schlimmen Kindheit. Er habe seine Mutter nicht gekannt, sei bei seinem Vater aufgewachsen. Zu Hause wurde nur geschrien. Er sei auch verprügelt worden.
Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.