++ EIL ++

Hochstapler aus Großpostwitz macht reinen Tisch

Zuletzt aktualisiert:

„Mein Leben ist eine Lüge“ - mit diesen Worten hat heute ein Hochstapler und Betrüger vor dem Amtsgericht Bautzen reinen Tisch gemacht. Der 41-jährige Großpostwitzer räumte alle 30 Taten ein und legte über seinen Verteidiger ein umfassendes Geständnis ab. Der Anwalt übernahm dabei die Rolle des Angeklagten ein und schilderte aus der Ich-Perspektive das Motiv seines Mandanten.  Der Angeklagte gab sich als Doktor, Richter und Betreuer aus, ließ sich als angeblich sterbenskrank in Krankenhäuser z. B. in Weißwasser, Zittau und Mainz einweisen. Dabei legte er selbstgebastelte Aufnahmescheine vor. Er bestellte Wein und kalte Platten in Größenordnungen – ohne zu bezahlen, ließ sich die Wohnung vorrichten – ohne die Rechnung zu begleichen. Als falscher Doktor untersuchte er einen Patienten auf Hodenkrebs. 

Er habe all das getan, nicht um sich zu bereichern, sondern weil er ein anderer war. Er fühlte sich allein, in den Krankenhäusern war er unter Menschen. Ihm sei es besser gegangen, wenn er ein anderer war. Schon als Kind habe er Lügengeschichten erzählt. Sein Vater wollte, dass er dessen Handwerksbetrieb übernimmt. „Klempner, das konnte ich nicht nicht“. Stattdessen erlernte er den Botaniker-Beruf. „Mein Leben wurde aber nicht besser. Irgendwann habe ich angefangen, ein anderer zu werden.“

Seine Rollen spielte er überzeugend. So stellte er sich einem Stationsarzt der Palliativstation im Kreiskrankenhaus Weißwasser als Neurologe vor. Bei einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan habe er die Diagnose bekommen: Krebs im Endstadium. Die Chemo habe nicht angeschlagen. Der Stationsarzt hatte keine Zweifel. Er bescheinigte dem falschen Doktor solide Fachkenntnisse. Erst später wurde man im Krankenhaus stutzig.

Der Prozess wird fortgesetzt.