• Dürre Worte des Bedauerns. Links die Mutter, rechts die Tochter, in der Mitte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Foto: Tele-Lausitz (kmk)

    Dürre Worte des Bedauerns. Links die Mutter, rechts die Tochter, in der Mitte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Foto: Tele-Lausitz (kmk)

  • Richter Andreas Behrens: "Sie stehlen sich aus der Verantwortung und genießen das frohe Leben". Foto: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)

    Richter Andreas Behrens: "Sie stehlen sich aus der Verantwortung und genießen das frohe Leben". Foto: Tele-Lausitz (Danilo Dittrich)

Hund verhungert und verdurstet - Görlitzer Richter verurteilt Mutter und Tochter

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Mutter und Tochter aus Reichenbach haben ihren Hund verdursten und verhungern lassen. Der Görlitzer Amtsrichter Andreas Behrens fällte heute ein Urteil mit Signalwirkung. Beide müssen hinter Gitter.

Hund in Jauche-Grube entsorgt

Elvis hatte weder gebellt noch gewinselt. Das war ihm schon im Welpenalter ausgetrieben worden. Der Husky-Mischling wurde nur ein Jahr alt. Er starb im vergangenen Sommer qualvoll, eingesperrt bei über 30 Grad  in einem engen Raum in einer Wohnung in Reichenbach bei Görlitz. Das tote, bis auf die Knochen abgemagerte Tier wurde später aus einer Jauche-Grube gefischt.

Das Schicksal des kleinen Hundes war Mutter und Tochter egal. Sie ließen ihn verdursten und verhungern. Die Mutter hatte zwei Wochen Urlaub bei ihrem Freund gemacht. Zurück blieb die damals 17-jährige Tochter. Sie hatte sich aber nicht um das Tier geschert. Auf die Frage des Richters, warum sie  Elvis nicht versorgt habe, antwortete sie: "Ich hatte keinen Bezug, keine Bindung zu dem Hund". Sie habe auch der Mutter gesagt, dass sie sich nicht um Elvis kümmern werde.

Maden und Verwesungsgeruch

Als die 35-Jährige während ihres Urlaubs kurz in ihre Wohnung nach Reichenbach zurückkam, um für sich frische Sachen zu holen, da war ihr angeblich nichts aufgefallen. Nach dem Hund zu schauen, daran dachte sie nicht.

Nachbarn erstatteten Anzeige, nachdem neben einem starken Verwesungsgeruch bei ihnen Maden aufgetaucht waren. Der tote Hund wog nur noch 20 Kilo, er war völlig abgemagert. Er habe unsägliche Schmerzen und Qualen erlitten, schilderte die Amtstierärztin.

Die Tat sei nicht nur herzlos, sondern kriminell, so der Staatsanwalt. Und er ergänzte: „Es wäre gar nicht so schlecht, wenn Sie mal für zwei, drei Tage in das Zimmer gesperrt würden“. Der Staatsanwalt forderte eine Bewährungsstrafe für die Mutter und eine Verwarnung für die Tochter.

Herzlos und gleichgültig weggeschaut

Zu wenig, fand Richter Andreas Behrens. Er verurteilte die Mutter zu sechs Monaten Gefängnis und die Tochter zu vier Wochen Arrest.  Sie hätten völlig herzlos und gleichgültig weggeschaut.  Zur Mutter gewandt: „Sie stehlen sich aus der Verantwortung und genießen das frohe Leben“. Und zur Tochter: „Jetzt können Sie selbst erleben, wie es sich anfühlt, eine Zeit lang eingesperrt zu leben, natürlich bei Essen und Trinken“.

Brief an toten Hund

Die Angeklagten hatten nur dürre Worte des Bedauerns übrig. Wäre es nach der Jugendgerichtshelferin gegangen, hätte die Tochter Arbeitsstunden im Tierheim leisten und einen Brief an den toten Hund schreiben sollen.