Joker in Pließkowitz
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn er sich mit seinem Nachbarn nicht verträgt. In Pließkowitz bei Bautzen ist es ein ziemlich lauter Nachbar. Dieser Nachbar bricht Steine. Durch die Sprengungen im nahen Steinbruch fühlen sich die Bewohner mehr als genervt. Sie beklagen Schäden an ihren Häusern und an der Natur. Und das schon seit einigen Jahren. Getan hat sich aus Sicht der Pließkowitzer nicht viel. Die Bewohner fühlen sich im Stich gelassen. Sie geben aber nicht auf und wollen nun eine Trumpfkarte ausspielen.
Bis auf den letzten Platz war der Dorfgemeinschaftsraum am Dienstagabend besetzt. Einwohner hielten Plakate hoch. Darauf stand „Begrenzung auf 7,5 Tonnen“. Das ist ihr Joker. Zum Steinbruch führt eine alte Straße. Sie ist schmal und für schwere Lkw nicht ausgelegt. Über diese Straße poltern täglich die Brummis mit den zerkleinerten Steinen. Der Gemeinderat beschloss am Dienstagabend, dass Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen dort nicht mehr lang dürfen.
Marita Scholte von der Bürgerinitiative glaubt, dass der Steinbruchbesitzer aufgerüttelt wird, sich mit den Pließkowitzern an einen Tisch zu setzen, mit ihnen nach einer Lösung, einem Kompromiss zu suchen. Sie wohnt etwa eineinhalb Kilometer Luftlinie von der Brecheranlage entfernt. Ein Gutachten, wonach die Schäden an den Häusern nicht im Zusammenhang mit den Sprengungen stünden, zweifelt Scholte an. Die Bürgerinitiative hatte eine Petition an den Landtag gerichtet und sich an das Landratsamt gewandt. Die Antworten waren enttäuschend.