Kathedrale der Arbeit mit neuer Bestimmung
Die Kraftzentrale der ehemaligen Brikettfabrik Brieske – Denkmal, Industriezeuge und künftiger Anlaufpunkt am Radwegenetz des Lausitzer Seenlandes
Wer von der B 169 in Richtung Senftenberg durch das Industriegebiet Brieske fährt, dem fällt sie unweigerlich ins Auge: die massive Silhouette der alten Kraftzentrale, die wie eine aus der Zeit gefallene Industriekathedrale über dem früheren Gelände der Brikettfabrik Marga thront. Jahrzehntelang war sie das technische Herzstück des Braunkohlenwerkes. Heute steht sie leer und unter Denkmalschutz, aber ohne feste Nutzung. Das soll sich ändern.
Geschichte in Stein
Die Brikettfabriken Marga I und II, 1906 und 1911 durch die Ilse Bergbau AG gegründet, gehörten einst zu den größten ihrer Art in Deutschland. Die Kraftzentrale – 1966 als modernes Kraftwerk in Betrieb genommen – versorgte das gesamte Werk mit Strom und Dampf. Ihr Gebäude trägt nicht umsonst den Beinamen „Kathedrale der Arbeit“: Die gegliederte Fassade aus eingeschossigem Mittelteil, zweigeschossigem Anbau und einem markanten Turm lässt an eine Basilika denken. Als die Brikettfabriken 1991 und 1992 stillgelegt wurden und das Kraftwerk 1999 vom Netz ging, blieb das Gebäude als eines der wenigen baulichen Zeugnisse der Industriegeschichte des Standorts übrig.
Land fördert Zukunftsstudie mit 50.000 Euro
Im April 2024 übergab der Lausitz-Beauftragte des Ministerpräsidenten, Klaus Freytag, einen Förderscheck über 50.000 Euro an die LMBV als Eigentümerin des Gebäudes. Die Konzeptstudie soll Statik, Nutzungsmöglichkeiten und Synergien mit dem gegenüberliegenden, bereits an den Landkreis verkauften Zechen- und Badehaus untersuchen. Ideen aus dem Ortsteil gibt es schon: Kletterhalle, Indoorspielplatz, Kumpel-Restaurant, Co-Working-Flächen. Ortsvorsteher Tino Balzer brachte die Stimmung in Brieske auf den Punkt: „Alle Briesker sind heute verdammt stolz. Stolz, weil mit der Kraftzentrale ein Herzstück ihrer Identität bewahrt wird.“
Rast für Radler auf der Seenland-Route
Ein besonderes Potenzial liegt in der Einbindung der Kraftzentrale in das dichte Radwegenetz des Lausitzer Seenlandes. Die Gartenstädte-Tour führt auf ihrem 38 km langen Rundkurs von der ersten deutschen Gartenstadt Marga im Senftenberger Ortsteil Brieske über die Gartenstadt Lauta-Nord zur jüngsten deutschen Gartenstadt Erika nach Laubusch. Die Kraftzentrale is somit nicht nur ein Denkmal, sondern ein lebendiger Knotenpunkt zwischen Industriegeschichte und modernem Seenlandtourismus.
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Gefördert durch die Sächsische Landesmedienanstalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.


