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„Keine weißen Flecken“ in Ostritz

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Die Polizei wird während des Neonazi-Treffens vom 20. bis 22. April in Ostritz rund um die Uhr da sein. Es werde keine weißen Flecken geben, versprach Einsatzleiter Holger Löwe gestern Abend vor rund 200 Einwohnern. Die Polizei will ein Bürgertelefon schalten. Fragen wurden auch am Abend auf der Einwohnerversammlung beantwortet. Trotzdem bleibt bei vielen ein mulmiges Gefühl.

Fast jeder Platz war besetzt im Celsa Pia Haus im Internationalen Begegnungszentrum im Kloster St. Marienthal. Bürgermeisterin, Polizei, Ordnungsamt und Verfassungsschutz umrissen, was auf die Ostritzer am Wochenende vom 20. bis 22. April zukommen wird – und sie beantworteten Fragen. Es gab viele Fragen: Wie komme ich aus Ostritz raus? Wie rein? Wo befinden sich die Ausweichparkplätze. Was wird mit unseren Kunden?, wollte eine Fleischermeisterin wissen. Ihr Geschäft befindet sich in der Sperrzone am Markt. Sie befürchtet Umsatzeinbußen. Wer haftet für eingeschlagene Scheiben und andere Schäden?, wollte ein anderer Bewohner wissen.Am übernächsten Wochenende werden bis zu 1.000 Neonazis in Ostritz erwartet. Auf dem Gelände eines Hotels unmittelbar an der Neiße werden rechtsextreme Bands und Liedermacher auftreten, Kampfspiele ausgetragen und  politische Reden gehalten. Zum sogenannten "Schild und Schwert Festival" haben sich Spitzenfunktionäre von NPD und die Partei "Die Rechte" angesagt. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sollen verschiedene rechtsextreme Gruppen und Strömungen zusammgeführt werden. "In Ostritz soll entschieden werden, wie sich die Szene in Sachsen, aber auch in der Bundesrepublik weiterentwickelt", so ein Verfassungsschützer.Anhänger aus der linken Szene wollen auf der Lederwerkswiese und im Gewerbegebiet im Norden von Ostritz gegen das Nazi-Treffen demonstrieren. Landratsamt und Polizei gehen von insgesamt bis zu 750 Teilnehmern aus.  Außerdem hat der DGB zwei Fahrradkorsos angemeldet. Der eine soll in Görlitz  starten, der andere in Zittau. Ostritzer müssen mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Weite Teile der Innenstadt werden gesperrt. Ein Zufahrtsverbot zum Markt tritt am 18. April und 20 Uhr in Kraft. Lieferwagen und mobile Pflegedienste werden durchgelassen. "Das normale Leben soll so gut wie möglich weitergehen", verspricht Einsatzleiter Holger Löwe. Auf der Bahnhofstraße in Ostritz - also am Versammlungsort der Rechtsextremen -  wird eine Kontrollzone eingerichtet.  Die mit der Bahn anreisenden Teilnehmer aus beiden Lagern sollen dort getrennt werden. Auf dem Marktplatz wollen Ostritzer mit einem Friedens- und Familienfest einen Kontrapunkt zum Nazi-Treffen am "Neißeblick" setzen.  Bands und Chöre der Region treten auf, Vereine stellen sich vor. Veranstalter ist das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal. Die Schirmherrschaft hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer übernommen. Er wird das Fest am Freitagabend (20. April) eröffnen.

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth
Einwohner von Ostritz
Polizeisprecher Thomas Knaup: Wir schalten ein Bürgerelefon