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Kirchenbrandprozess - geschiedene Frau des Angeklagten im Zeugenstand

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Im Großröhrsdorfer Kirchenbrand-Prozess vor dem Landgericht in Bautzen hat heute die geschiedene Frau des Angeklagten ausgesagt. Sie berichtete u.a. von einem Brief, den sie  einen Tag nach dem Brand in ihrem Briefkasten fand. Er habe ihr gedroht, ihre Kinder zu entführen und ihre Rückzugsorte zu zerstören: ihre Wohnung, das Elternhaus und die Kirche. Zuvor seien von ihrem Auto und dem Wagen  ihres Lebensgefährten die Reifen zerstochen worden – auch von ihm, so ihre Vermutung.

Ausführlich schilderte sie, wie er sich verändert hatte. Beide lernten sich in der Jungen Gemeinde kennen, fuhren auf Rüstzeiten, machten beim Krippenspiel mit. 2006 heirateten sie in der Großröhrsdorfer Stadtkirche und ließen 2001 eines ihrer Kinder dort taufen. „Es war am Anfang eine Beziehung auf Augenhöhe“. Sie zogen in ein Haus in Franken.  Dort lebte sie von 2017 bis 2020. In dieser Zeit hatte er sich nach ihren Schilderungen von ihr entfremdet.  Der gelernte Schreiner kam selten nach Hause. „Er hatte immer weniger Zeit für mich und die Kinder. Er war vier bis fünf Tage die Woche weg. Die Anerkennung im Beruf war ihm wichtiger.“ Es gab Probleme mit dem ältesten Sohn. Er habe sie damit allein gelassen. Sie wandte sich an das Jugendamt. Als er seinen Job hinschmeißen und sich  mit einem Freund selbstständig machen wollte, war für sie der Punkt der Trennung erreicht.

Sie beschrieb ihn als zunehmend  aggressiv.  „Ich kam gar nicht mehr an ihn ran.“ Er drohte, sich umzubringen, schrieb an ihr Auto „Ich liebe dich immer noch“ und habe das verhängte Annährungsverbot missachtet.  Auch die Kinder habe er  beeinflusst („Du hast bald keine Mama mehr, deine Mama wird weggefangen“) Daraufhin wurde ihm der Umgang mit den  Kindern untersagt.  „Ich habe mich angegriffen und verfolgt gefühlt.“ Nachdem er kurz nach dem Brand festgenommen worden war, erhielt sie keine Drohungen mehr. Von einer Bekannten erfuhr sie, dass er Drogen nehme. Da sei ihr klar geworden, warum er sich so verändert hatte. „Dieses Puzzleteil fehlte noch.“

Der Prozess wird am 26. Februar fortgesetzt. Dann soll auch der Großröhrsdorfer Pfarrer gehört werden.