• Der Preis wird am Abend im Deutsch-Sorbischen Volkstheater verliehen. Foto: kmk

    Der Preis wird am Abend im Deutsch-Sorbischen Volkstheater verliehen. Foto: kmk

  • Kleine Protestgruppe vor dem Theater. Foto: Emilia Pallmer

    Kleine Protestgruppe vor dem Theater. Foto: Emilia Pallmer

Kontroverse um "Bautzner Friedenspreis" - Debatte verschoben

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In Bautzen wird heute Abend  der „Bautzner Friedenspreis“ verliehen. Die Auszeichnung erhält Daniele Ganser. Der Schweizer Historiker hat Schlagzeilen mit seinen Ansichten gemacht, so u.a. über den Anschlag auf das Word-Trade-Center in New York. Die Preisverleihung sorgt für Kontroversen. Er ist umstritten. Ihm werden Verschwörungstheorien vorgeworfen.

Grüne, SPD und Linke haben einen Antrag in den Stadtrat eingebracht. Sie wollen, dass die Stadt klar auf Distanz zu dem Preis  und seinen Preisträger geht. Außerdem fordern sie eine Namensänderung, um Schaden von Bautzen abzuwenden. Der Stadtrat sollte heute Abend darüber entscheiden. "Der Preis wird abermals an eine Person verliehen, die als mehr als nur umstritten zu bezeichnen ist", heißt es im Antrag.  Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass dahinter eine ganze Stadt stehe. Der Preis wird vom Verein "Bautzner Frieden" verliehen.

In der Einwohnerfragestunde zu Beginn der öffentlichen Stadtratsitzung ergriffen drei Vertreter des Vereins das Wort. Vorsitzender Johannes Wenzel fragte: "Vor wem und wovor haben Sie Angst? Was meinen Sie mit Verschwörungstheorie?". Er schlug einen "Runden Tisch" vor. Dort könnten Stadträte gemeinsam mit dem Verein über die Vorbehalte diskutieren. Annalena Schmidt von der Fraktion Bündnis90/ Die Grünen versprach, Antworten auf die Fragen.

"Wir sehen keine Bedenken. Der Preisträger klärt nur auf, wie Kriege entstehen. Was er schreibt, ist fundiert. Wir sehen da keine Verschwörungstheorien.", sagte uns Johannes Wenzel.

Roland Fleischer, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat und einer der Antragsteller, hielt im Interview mit unserem Sender dagegen: "Der Preisträger Daniele Ganser  setzt Verschwörungstheorien in die Welt, z.B. behauptet er,  das World-Trade-Center in New York sei durch die  Amerikaner selbst gesprengt worden. Er bezeichnet die Bundesrepublik Deutschland als Vasallenstaat der USA". All das möchte Fleischer nicht im Kontext mit der Stadt Bautzen sehen.

Gelassen reagierte Heiner Schleppers, CDU-Fraktion: "Dieser Verein existiert privat. Sollen er machen, was er will. Wir sollten uns in Bautzen um die wichtigen Dinge kümmern". Dazu gehöre natürlich das Thema Frieden. Da gebe es in Bautzen auch die Friedensgebete, sagte uns Schleppers.

Finanzbürgermeister Robert Böhmer wollte sich für die Stadtverwaltung weder zum Verein noch zum Preisträger äußern. Er vertritt derzeit Oberbürgermeister Alexander Ahrens. Der OB ist krank.

Der Antrag von Grüne, SPD und Linke zum "Bautzner Friedenspreis" wurde am Abend nicht mehr diskutiert. Grund: Mehr als die Hälfte der Stadträte verließ die Sitzung, um pünktlich zur Preisverleihung im Deutsch-Sorbischen-Volkstheater zu kommen. Damit war der Stadtrat nicht mehr beschlussfähig. Der Antrag soll nun in der Februar-Sitzung diskutiert werden.

Preisträger und Gäste wurden vor dem Theater von einer kleinen Gruppe empfangen. Die rund 30 überwiegend jungen Leute mit Alu-Hütchen auf dem Kopf  brachten ihren Protest zum Ausdruck. Sie warfen dem Schweizer Historiker Daniele Ganser vor, er verbreite Verschwörungstheorien.

 

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit Roland Fleischer, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bautzener Stradtrat

Reporter Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit dem Johannes Wenzel, Vorsitzender des Vereins "Bautzner Frieden"

Reporterin Emilia Pallmer sprach mit Teilnehmern der kleinen Demo vor dem Theater