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Lockdown in der Lausitz - „Wir Kleinen müssen dran glauben“

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Gaststätten, Clubs und Theater dicht, Freizeitparks, Kinos und Kosmetikstudios zu, ab Montag Zwangspause auch für den Amateursport. Aber der Profisport wie die Fußballbundesliga darf weiter machen.  Hotels dürfen keine Touristen mehr aufnehmen. Dagegen bleiben Schulen und Kitas offen, ebenso Geschäfte.

Die gestern von Bund und Ländern beschlossenen Regelungen haben eine scharfe Kontroverse   ausgelöst. Die Meinungen gehen weit auseinander – von „völlig überzogen“ und „jetzt reicht es“ bis hin „noch zu wenig“ und „einen Monat einen kompletten Cut ziehen“……

Wir haben Passanten in Görlitz gefragt. Sie können hier die Umfrage nachhören.

Reaktionen von Verbänden und Politikern:

Landestourismusverband Sachsen, Vizepräsident Detlef Hamann: „Bei allem Verständnis zu mehr Flexibilität im Handeln ist es nicht akzeptabel, dass ganze Branchen in Gruppenhaftung genommen werden. Gastronomie und Hotellerie gehören nicht zu den Beschleunigern der Pandemie gehören.“

Die  Industrie- und Handelskammern in Sachsen sehen die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen zu begrenzen, müssten weitere Einschränkungen zuallererst konsequent auf die bekannten Infektionsherde zielen.

Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden: „Die Schließung der Kosmetikstudios ist bitter. Hilfen sollten schnell und unbürokratisch bewilligt werden. Schließlich haben gerade die Betriebe im Gesundheitshandwerk schon vor der Pandemie hohe Hygienestandards erfüllt und diese jetzt noch intensiviert. Entsprechend groß ist die Enttäuschung.“ Es sei wichtig, dass die versprochenen finanziellen Hilfen nun schnell bei den betroffenen Unternehmen ankommen – es steht das Jahresende vor der Tür, das mit vielen finanziellen Verpflichtungen der Betriebe einhergeht.

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer verteidigte die Einschränkungen. In einer Zeit, in der die Ausbreitung der Infektionen wesentlich niedriger gewesen war, sei vieles möglich gewesen. „Jetzt sehen wir, dass wir die Infektionen nicht mehr nachverfolgen können, dass das Ausbreitungsgeschehen nicht mehr klar zuzuordnen ist. Daher braucht es die weiteren Maßnahmen.“ 

 Der Bautzener Landrat Michael Harig: „Wegen der hohen Infektionszahlen habe ich grundsätzlich Verständnis für eine Verschärfung und Anpassung von Maßnahmen. Bedenklich sehe ich jedoch die Schließung von Hotels, Gastronomie sowie Kinos und Theater einschließlich aller Sport- und Freizeiteinrichtungen. Nach bisherigen Erkenntnissen sind überall dort bewährte Hygienekonzepte vorhanden, welche auch kontrollfähig sind. Meine Befürchtung ist, dass die Menschen ihre Aktivitäten nun ins private Umfeld verlagern, welches faktisch nicht kontrollfähig ist.“

Audio:

Reporter Knut-Michael Kunoth hat Passanten in Görlitz gefragt
Gastronomen in Bautzen und Görlitz sind sauer. Schon wieder sollen sie ihre Betriebe auf Null fahren. Sie haben viel Geld in die Hygienekonzepte gesteckt.
Schotten dicht in den Sportvereinen der Lausitz. Ab Montag dürfen die Mitglieder nicht mehr trainieren. Turniere sind passé. Die Politik macht eine Ausnahme: Der Profisport darf am Ball bleiben. Reporter Knut-Michael Kunoth
Nicht nur Gastronomie, Kunst und Kultur, Sportvereine und Kosmetikstudios bangen um ihre Zukunft. Auch die Veranstaltungsbranche fühlt sich im Stich gelassen. Ein Veranstaltungstechniker aus Löbau