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Kretschmann und AfD triumphieren bei Landtagswahlen

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 Berlin (dpa) - Schwere Nieder­lage für die CDU, Freude und Frust bei der SPD, sehr starke Grüne in Baden-Württem­berg und eine trium­phie­rende AfD: Die Landtags­wahlen am Sonntag haben die Partei­en­land­schaft gehörig durch­ein­an­der­ge­wir­belt.Der Einzug der Rechts­po­pu­listen in die Landes­par­la­mente von Baden-Württem­berg, Rhein­land-Pfalz und Sachsen-Anhalt mit zweistel­ligen Ergeb­nissen macht die Regie­rungs­bil­dung schwierig. Die Abstim­mungen am „Super-Sonntag“, dem wichtigsten Wahltermin seit der Bundes­tags­wahl, galten auch als Votum zur Flücht­lings­po­litik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).In Baden-Württem­berg wurden die Grünen von Minis­ter­prä­si­dent Winfried Kretsch­mann den Hochrech­nungen zufolge erstmals in der Geschichte der Bundes­re­pu­blik stärkste Partei. Aller­dings reicht es nicht für eine Fortset­zung der bundes­weit ersten grün-roten Koali­tion.Im Duell der Frauen in Rhein­land-Pfalz verwies die SPD von Regie­rungs­chefin Malu Dreyer die CDU von Heraus­for­derin Julia Klöckner nach drama­ti­schem Wahlkamp­fend­spurt doch noch auf Platz zwei - Rot-Grün als Koali­tion wurde aber abgewählt. In Sachsen-Anhalt fuhr die noch junge AfD, die nunmehr in 8 der 16 Landtage vertreten ist, ein Rekord­er­gebnis ein: Mit 23,1 bis 23,9 Prozent wurde sie zweit­stärkste Partei.Nach den Hochrech­nungen von ARD und ZDF (19.15 Uhr) sah es im Einzelnen so aus:In BADEN-WÜRTTEM­BERG lagen die Grünen mit dem auch bei konser­va­tiven Wählern geschätzten Regie­rungs­chef Kretsch­mann bei 30,5 bis 31 Prozent (2011: 24,2) - und schoben sich damit in der einstigen CDU-Hochburg vor die Christ­de­mo­kraten. Diese brachen mit ihrem eher blassen Spitzen­kan­di­daten Guido Wolf völlig ein und wurden mit 26,9 Prozent (39,0) erstmals seit Gründung des Bundes­landes nicht stärkste Partei. Auch die SPD fuhr mit 12,8 Prozent (23,1) ihr mit Abstand schlech­testes Wahler­gebnis im „Ländle“ ein. Eine Zäsur für die Volks­par­teien: Selbst für beide zusammen reicht es nicht. Die AfD errang aus dem Stand 14,6 bis 14,9 Prozent. Die seit der verlo­renen Bundes­tags­wahl 2013 schwä­chelnde FDP konnte auf 8,1 bis 8,4 Prozent (5,3) zulegen. Die Linke kam mit rund 3 Prozent nicht in den Landtag.Demnach sah die Sitzver­tei­lung so aus: Grüne 43 bis 46, CDU 36 bis 39, SPD 17 bis 19, FDP 11 bis 12, AfD 20 bis 22.Damit käme ein Bündnis von Grünen und CDU in Frage. Rechne­risch wären auch Dreier­bünd­nisse mit der FDP möglich: Einer rot-gelb-grünen Ampel standen vor der Wahl aber die Liberalen skeptisch gegen­über, einer schwarz-rot-gelben „Deutsch­land-Koali­tion“ die Sozial­de­mo­kraten. Die unter­le­gene CDU erhob aber Anspruch auf den Chefposten: „Wir wollen den Politik­wechsel, wir wollen den Minis­ter­prä­si­denten stellen“, sagte Landes­chef Thomas Strobl. Spitzen­kan­didat Wolf sagte, man wolle mit SPD und FDP, aber auch mit den Grünen sprechen.Mit der im Zuge der Flücht­lings­krise aufge­stie­genen AfD will in allen drei Ländern keine andere Partei koalieren.In RHEIN­LAND-PFALZ gewann keines der tradi­tio­nellen politi­schen Lager. Die seit 25 Jahren regie­rende SPD wurde aber nach jahre­langer Umfra­ge­schwäche mit 36,5 bis 37,4 Prozent (2011: 35,7) doch wieder stärkste Partei. Klöck­ners CDU sackte auf 32,4 bis 32,5 Prozent (35,2) ab. Die 2011 erstarkten Grünen stürzten auf 5 bis 5,2 Prozent (15,4). Die FDP konnte nach fünf Jahren Abwesen­heit im Landtag mit 6,1 bis 6,4 Prozent (4,2) von einer Rückkehr ausgehen. Die neu angetre­tene AfD bekam auf Anhieb 10,9 bis 12,3 Prozent. Auch in Mainz blieb die Linke mit rund 3 Prozent draußen.Daraus ergab sich folgende Sitzver­tei­lung: SPD 40 bis 41, CDU 35 bis 36, Grüne 5 bis 6, FDP 7, AfD 12 bis 13.Auf dieser Basis käme eine große Koali­tion von SPD und CDU in Frage oder ein Dreier­bündnis mit Grünen und FDP. Dreyer strebt letzteres an: „Wir haben auch gute Zeiten in Rhein­land-Pfalz erlebt gemeinsam mit der FDP“, sagte sie. Bei den Grünen und der FDP wurde Gesprächs­be­reit­schaft signa­li­siert.In SACHSEN-ANHALT verlor die seit 2002 regie­rende CDU von Minis­ter­prä­si­dent Reiner Haseloff etwas. Mit 29,3 bis 29,8 Prozent (2011: 32,5) vertei­digte sie aber ihre Position als stärkste Partei. Aller­dings stürzte ihr Junior­partner SPD wie in Baden-Württem­berg ab: 10,8 bis 11,4 Prozent waren zum Weiter­re­gieren zu wenig. Die Linke fiel mit nur noch 16,3 bis 16,6 Prozent (23,7) hinter die AfD als neue Nummer zwei zurück. Die Grünen bangten am Abend mit 5 bis 5,2 Prozent (7,1) um den Verbleib im Landtag. Die FDP musste mit 4,9 bis 5 Prozent (3,8) ein erneutes Schei­tern befürchten.Damit würden die Mandate wie folgt verteilt: CDU 36 bis 43, SPD 14 bis 15, Grüne 6 bis 7, Linke 20 bis 23, FDP 0 bis 6, AfD 28 bis 34.Nach diesem Stand wäre eine Neuauf­lage von Schwarz-Rot ausge­schlossen. Möglich wären Schwarz-Rot-Grün oder - falls die FDP es schaffen sollte - eine sogenannte Deutsch­land-Koali­tion aus CDU, SPD und Liberalen.Zu den drei Landtags­wahlen waren rund 12,7 Millionen Bürger aufge­rufen, gut ein Fünftel aller Wahlbe­rech­tigten in Deutsch­land. Im Wahlkampf war die Flücht­lings­pro­ble­matik bestim­mend: Alle drei CDU-Spitzen­kan­di­daten hatten sich von Merkels europäi­schem Kurs abgesetzt und natio­nale Maßnahmen zur Reduzie­rung des Andrangs gefor­dert - die Sozial­de­mo­kratin Dreyer und der Grüne Kretsch­mann hatten die CDU-Vorsit­zende hingegen unter­stützt.SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte von der Union als Konse­quenz aus dem Erstarken der AfD ein Ende des internen Flücht­lings­streits: Er hoffe, „dass die CDU/CSU merkt, dass dieser perma­nente Streit, die Chaos­tage dort, ihnen nicht helfen“.Im Bundesrat könnten sich die Macht­ver­hält­nisse nun verschieben: Gibt es in Stutt­gart eine Koali­tion mit der CDU, wäre die rot-grün-rote Länder­do­mi­nanz dahin. Landtag Baden-Württemberg zur WahlLandtag Rheinland-Pfalz zur WahlLandtag Sachsen-Anhalt zur WahlWahlseite des Landeswahlleiters Baden-WürttembergLandeswahlleiter Rheinland-Pfalz zur LandtagswahlErgebnisseite Landeswahlleiter Rheinland-PfalzStatistisches Landesamt Sachs.-Anh. zu WahlergebnissenVerein Wahlinfo mit Wahlprogrammen der Parteien in Sachs.-Anh.Landeswahlleiterin Sachs.-Anh. zum Wahlablaufdpa-Twitterliste zur Landtagswahl Sachs.-Anh.dpa-Twitterliste zur Landtagswahl Rheinland-PfalzWinfried KretschmannGuido Wolfdpa-Twitterliste zur Landtagswahl Ba-Wü (#ltwbw)CDU-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt Reiner HaseloffLinkspartei-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt Wulf GallertSPD-Spitzenkandidatin Sacvhsen-Anhalt Katrin Budde