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Lausitzer Handwerk in unsicherem Fahrwasser

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 Das Handwerk in der Lausitz steht massiv unter Druck. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, drohende Lieferengpässe, Personalprobleme und Bürokratie setzen den Betrieben zu. Inzwischen schätzen über 30 Prozent der Betriebe ihre Lage als negativ ein. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus hervor. 

Vor allem Bäcker und Fleischer leiden unter dem Preis- und Kostendruck. 53 Prozent sehen ihre Betriebe in einer schlechten Situation.  Sie klagen über schmerzhafte Umsatzrückgänge.  Kunden gingen zunehmend in den Discounte.r Hinzu kommt das Problem, Personal zu finden.  Darüber klagen auch Friseure, Kosmetiker und Schneider.   Ein Drittel befürchtet, dass die Zeiten schlechter werden.

Ausbau- und Gesundheitsgewerbe „konjunkturelle Stützen“

Das Bau- und Ausbaugewerbe kann sich dagegen noch behaupten. Maler, Installateure, Tischler – sie haben gut zu tun.  Dreiviertel der Befragten sind zufrieden oder schätzen ihre Lage als gut ein. Nils Günther, Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung der Handwerkskammer Cottbus, spricht von einer „konjunkturellen Stütze“. Die Nachfrage nach Wärmepumpen, Fotovoltaikanlagen und Ladeinfrastruktur ist groß. So profitiert das Ausbaugewerbe indirekt auch von den Entwicklungen am Energiemarkt. Dagegen spüren die Autohäuser, dass die Kunden das Geld zusammenhalten. Aber das Werkstattgeschäft läuft. Offenbar keinen Grund zum Klagen hat das Gesundheitsgewerbe. Fast alle befragten Unternehmen schätzen ihre Lage als gut oder befriedigend ein. Rund ein Fünftel verweisen auf stabile und steigende Umsätze.  

Weniger Geld für Investitionen

Das Handwerk in der brandenburgischen Lausitz ist aber  generell zurückhaltend bei Investitionen. Jeder zweiter Betrieb gibt nicht mehr so viel Geld aus wie vor einigen Jahren. In Erweiterungen wollen nur noch knapp 20 Prozent investieren.Es müssten endlich verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Steuern und Abgaben runter, Berichtspflichten abschaffen und entbürokratisieren!“, fordert die kommissarische Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Cottbus, Sylke Radke.

 Bürokratie und kein Ende

Handwerker winken inzwischen resigniert ab.  Seit Jahren werde von der Politik Abhilfe versprochen, aber es tue sich ja sowieso nichts,  fasst Radke die Stimmung zusammen. Sie  nennt ein Beispiel irrwitziger Bürokratie: „Wenn Steinmetze einen Grabstein aufstellen wollen, müssen sie eine Statik dafür abliefern. Das sehen bestimmte Friedhofssatzungen vor.“

Audio:

Knut-Michael Kunoth im Gespräch mit der kommissarischen Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Cottbus, Sylke Radke