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Libyscher Intensivtäter in Bautzen vor Gericht

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Ein Asylbewerber soll in einem Einkaufsmarkt Hoyerswerda lange Finger gemacht und zwei Sicherheitskräfte mit Pfefferspray und einer Weinflasche bedroht, sich anschließend splitternackt ausgezogen haben. Im Asylbewerberheim „Greenpark“ in Bautzen hatte er zwei Bewohner geschlagen und getreten, Polizisten und eine Sozialarbeiterin beleidigt und zwei Reifen ihres Autos zerstochen – so die weiteren Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Dem  Libyer wird seit heute Vormittag in Bautzen der Prozess gemacht.

Wortreich und in Handschellen gestikulierend, bestritt der 38-Jährige die meisten Vorwürfe oder spielte sie herunter. Beobachter fühlten sich zuweilen wie auf einem Basar. „Sie haben zweimal auf den Heimbewohner eingetreten und mit ihm vorher mit Pfefferspray attackiert“, so der Richter. „Nein, nur einmal“, so der Angeklagte. Wirklich? „Ja, nur einmal. Sollten es auf dem Video der Überwachungskamera mehr Tritte  gewesen sein, können Sie mich für zehn Jahre einsperren“. Der Richter: „Geht nicht, ich kann maximal nur vier Jahre verhängen“.

Polizisten will der Angeklagte  nicht als Rassisten und Hitler beschimpft haben. „Ich habe nur gesagt ‚Hitler, Obama, Merkel‘“. Wieso Merkel, wollte der Richter wissen? Antwort: „Ich liebe Frau Merkel“.  Daraufhin der Richter zu seiner Protokollantin: „Nehmen Sie das auf!“. Den Zusammenhang von Hitler, Obama und Merkel konnte der 38-Jährige nicht erklären. Dafür erzählte er, dass er angeblich im Asylbewerberheim Schafe geschlachtet habe.

Auf Beobachter machte der Angeklagte zuweilen einen wirren Eindruck. 2014 kam der Libyer nach Deutschland. Er wollte angeblich bei Mercedes in Stuttgart arbeiten. Stattdessen kam er in die Oberlausitz und beging Straftaten. Er ist mehrfach vorbestraft. Bei der Polizei wird der Libyer  als Intensivtäter geführt.

Turbulent wurde es bei der Beweisaufnahme. Während der Zeugenvernehmung ließ der Richter einen Bewohner aus dem Asylbewerberheim festnehmen. Der Tunesier soll einen Zeugen bedroht haben. Die Verhandlung wurde kurz unterbrochen. Justizbeamte stellten seine Identität fest.

Als der Richter  später das Video von der  Auseinandersetzung auf dem Flur im Asylbewerberheim „Greenpark“ Bautzen  vorspielte, kochten die Emotionen auf der Anklagebank hoch. Auf der rund fünf Minuten langen Sequenz war zu sehen, wie der Angeklagte einen Heimbewohner zunächst mit Pfefferspray attackierte und ihn dann mehrmals schlug und trat. „Der Videobeweis!“, so der Richter.

Das Urteil: Drei Jahre Gefängnis. Es ist noch nicht rechtskräftig.   Die Staatsanwaltschaft hatte drei Monate mehr gefordert, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe.