Löbau langweilig und überaltert oder attraktiv und lebenswert?
Die Löbauer haben eine unterschiedliche Sicht auf ihre Stadt. Während die einen ihre Heimat als abgelegen, langweilig und überaltert betrachten, ist sie für andere attraktiv und lebenswert. Das geht aus einer Bürgerumfrage hervor. Sie wurde gestern Abend im Stadtrat vorgestellt. Die Löbauer wurden zu fast 20 Themen befragt. Allerdings kamen nur 250 Fragebögen ausgefüllt zurück. So ist bei der Interpretation der Ergebnis Vorsicht geboten.
Unzufriedenheit herrscht beim Internetangebot und öffentlichen Nahverkehr, da fühlen sich vor allem die Ortsteile Kittlitz und Rosenhain abgehängt. Gewünscht werden mehr Radwege (68 Prozent) und Spielplätze (49 Prozent). Gute Noten hat das Wohnumfeld – also Grünanlagen und Parks – bekommen. Differenziert ist die Sicht der Befragten zum Thema Wohnen. „Es gibt zwar Leerstand, also freien Wohnraum, der aber nicht immer den Wünschen entspricht, z.B. unsaniert ist oder an wenig attraktiven Standorten liegt“, so Andreas Worbs von der Stadtenwicklung GmbH. Das Dresdener Unternehmen hatte die Bürgerbefragung geführt. Gewünscht werden Wohnbauplätze möglichst mit Blick auf die Landschaft und nicht an stark befahrenen Straßen.
Kritik geübt wird an der touristischen Entwicklung. Rund 60 Prozent sind der Meinung, dass die Stadt von Urlaubern nicht wahrgenommen wird. Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich, dass Löbau für Touristen attraktiver wird.
Oberbürgermeister Dietmar Buchholz schaut mit etwas Skepsis auf die Ergebnisse der Befragung – bei einer Beteiligung von nur 1,6 Prozent der Einwohner. Er sieht in den Antworten gute Hinweise, aber auch widersprüchliche Aussagen. So kann der OB die Kritik an fehlenden Gehwegen in Löbau-Süd nicht verstehen. Die seien doch vorhanden. Mit Blick auf den Wunsch nach mehr Freizeitangeboten dämpft Buchholz zu hohe Erwartungen: „Wir sind als Stadt nicht dafür da, die Leute zu bespaßen“. Die Forderung nach einem Hallenbad sei utopisch. Kulturangebote gebe es genug. Dabei verweist Buchholz auf die Veranstaltungen in der Messehalle.
Nun sollen drei Arbeitsgruppen zu den Themen Wohnen, Leben und Arbeiten tagen und die Ortsvorsteher befragt werden. Ende März wird ein erstes Fazit gezogen. Anfang Juli soll der Stadtrat einen Beschluss zur weiteren Stadtentwicklung fassen.