Luxusherberge für Könige mit erstem WC in Görlitz
Er gehört zweifellos zu den prägenden Gebäuden in der Görlitzer Altstadt. Gelegen am Untermarkt, befindet er sich gleich am historischen Rathaus: Der Schönhof.
Errichtet 1526 nach den Plänen von Ratsbaumeister Wendel Roskopf, gilt der Schönhof als das älteste datierte bürgerliche Renaissancegebäude Deutschlands.
Der Schönhof war damals eine luxuriöse Herberge – für gut betuchte Gäste, weiß Stadtwächter Gunnar Buchwald:
„Könige haben hier drin übernachtet und die böhmischen Könige kamen gerne nach Görlitz, um truhenvoller Taler und Gulden hier abzufingern. An der Fassade von unserem Schönhof ist so manche Kleinigkeit zu erkennen, die darüber berichtet, dass das Volk eben einstmals kaum des Lesens und des Schreibens kundig war. An der Fassade unterhalb dieser Fensterreihung sehen wir ein Mannskopf, der mit furchtbar abstehenden Löffeln hier griesgrämig in Richtung Rathaustreppe schielt. Die Görlitzer Esesmaske gab den Fremden in dieser Stadt darüber Aufschluss, dass sich da am Rathaus unsere Schandbank befand, der Pranger der Stadt. Die Kleindelikte, die nicht gleich mit dem Tode gestraft wurden, wie vielleicht die Unzucht, die wurden dort peinlichst bestraft. Zudem sei erwähnt, dass der Schönhof das erste Wasserspülklosett unserer Stadt hatte. Im Dachbereich ward also ein großes hölzernes Fass aufgestellt, wo sich zunächst mal das Regenwasser sammeln konnte. Über Holzrohre wurde das dann hin zum stillen Örtchen geführt und später schwamm der ganze Mist in so 'ner Art Kanalisation davon, obgleich man sehr geschickt das natürliche Gefälle zur Neiße zu nutzen wusste.“
Der Görlitzer Schönhof wurde von 1995 bis 2005 restauriert und rekonstruiert. Heute befindet sich das Schlesische Museum in dem einzigartigen Gebäude.
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