Missbrauchsprozess in Görlitz -„Ich wollte Ersatzpapa sein“
Er wollte ihr Ersatzpapa sein und ist ihr näher gekommen als erlaubt. Gegen einen 54-jährigen Mann aus Seifhennersdorf wird seit heute vor dem Landgericht Görlitz verhandelt. Er gestand sexuelle Kontakte zu einer damals 12- bzw. 13-Jährigen.
In einer eineinhalbstündigen Erklärung, die sein Verteidiger verlas, schilderte der Angeklagte die Beziehung zu dem Mädchen – und gab noch mehr zu als die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. Sie habe ihm den Kopf verdreht, er sei zu schwach gewesen, um alles zu beenden, räumte der Judolehrer ein. Das Mädchen trainierte im Verein. Er kannte auch die Mutter der Zwölfjährigen. Gemeinsam unternahmen sie Ausflüge, er machte mit ihr Hausaufgaben, sie übernachtete bei ihm. Er habe ihr Selbstvertrauen aufbauen wollen. Das Verhältnis sei immer enger geworden. Der Angeklagte berichtete von Küssen und anderen intimen Kontakten. Er machte Bilder und Videos von ihr. An allem sei er schuld und übernehme dafür auch die Verantwortung. .„Ich hätte es nie dazu kommen lassen dürfen, ich bin verantwortlich.“
Durch sein umfassende Geständnis bleibt dem Mädchen voraussichtlich die Aussage erspart – dem Angeklagten aber eine Gefängnisstrafe nicht. Das ließ der Vorsitzende Richter Theo Dahm schon durchblicken. Außerdem muss der Seifhennersdorfer mit einer weiteren Anklage rechnen. Denn er gab mehr preis als ihm in diesem Verfahren vorgeworfen wird.
Der Prozess wird fortgesetzt.