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Misshandlungsprozess in Weißwasser geplatzt - Haftbefehl erlassen

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Der Missbrauchsprozess gegen einen Erzieher vor dem Amtsgericht Weißwasser ist geplatzt. Zum Fortsetzungstermin gestern war der Angeklagte nicht erschienen. Der Richter erließ Haftbefehl. Über seinen Anwalt hatte der Angeklagte ausrichten lassen, dass er unter Corona-Symptomen leide. Er hatte bis gestern Urlaub in Brandenburg gemacht. Zum Beweis legte er das Ergebnis eines positiven Selbsttests vor.

Das reichte dem Richter nicht. Er telefonierte mit dem Verteidiger. Unterdessen suchte der Angeklagte ein Testzentrum auf. Das Ergebnis diesmal: Negativ! Zu Hause machte er einen weiteren Test. Ergebnis: positiv.  Der 29-Jährige wollte daraufhin  einen PCR-Test. Dem Richter platzte der Kragen: „Veralbern lasse ich mich nicht!“. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Erzieher Sex mit einer damals 17-Jährigen aus dem betreuten Wohnen vor. Er habe zu dem psychisch labilen Mädchen ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und körperliche Annäherungen zugelassen.   Sechs Fälle stehen in der Anklage. Das Mädchen hatte zu Prozessbeginn vor drei Wochen umfassend ausgesagt. Der Angeklagte hüllte sich in Schweigen.

Nun steht alles wieder auf Anfang. Wann der Prozess von neuem beginnt, ist unklar. Die Zeit spielt für den Angeklagten. Sollten die Vorwürfe zutreffen und der schuldig gesprochen werden, muss zu seinen Gunsten berücksichtigt werden, dass die Taten schon länger zurückliegen. Sie sollen im April 2018 geschehen sein. Der Fall sollte schon im Dezember vergangenen Jahres verhandelt werden. „Einen Tag vor Prozessbeginn hatte der Angeklagte einen positives Corona-Selbsttestergebnis vorgelegt. Ein anschließender PCR-Test fiel negativ aus“,  so der Richter.

Das Gesetz schreibt vor, dass eine Strafverhandlung nach maximal drei Wochen fortgesetzt werden muss. Der Gesetzgeber hatte die Zügel vorübergehend gelockert und eine Corona-Klausel eingeführt. Demnach konnte ein Prozess bis zu zwei Monate ausgesetzt werden. Das war bis Ende Juni möglich . „Sehr verwunderlich, dass die Regelung  in Hochzeiten von Corona aufgehoben wurde“, so der Richter.